Neuss (NGZ). Gute Noten für den Wolberoplatz und den Gesamteindruck der neu gestalteten Hauptverkehrsader der Nordstadt. Doch der Teufel steckt im Detail. Anwohner kritisieren lange Bauzeit, fehlende Bushaltestelle und Kreisverkehr.
Trotz Regenschauern nutzten viele Anwohner der Further Straße am Donnerstag die Gelegenheit, bei der Mobilen NGZ-Redaktion über "ihre" neu gestaltete Straße zu sprechen, die erst am Dienstag offiziell eröffnet wurde. Einstimmig positiv äußerten sie sich über den neu gestalteten Wolberoplatz und das Gesamtbild der Straße. Doch Kritikpunkte gibt's einige.
Hannelore Bovenschen und ihr Mann Johann sind verärgert. Zwar sehe die Further Straße jetzt schön sauber aus, doch die Verlegung der Bushaltestelle "Wolberostraße" findet besonders die 65-Jährige "katastrophal". "Ich habe seit kurzem meine 89-jährige Mutter bei mir wohnen. Mit ihr muss ich mehrmals die Woche zum Arzt. Früher brauchte ich mit ihr nur über die Straße zu gehen. Den Weg jetzt kann sie kaum schaffen", sagt sie. Auch dass die neue Haltestelle kein Wartehäuschen hat, findet sie unmöglich. "Man ist schutzlos jedem Wetter ausgesetzt", fügt ihr 66-jähriger Ehemann hinzu.
Hintergrund
Beginn Am 10. Februar vergangenen Jahres startete der Umbau der Further Straße zwischen Hauptbahnhof und Berliner Platz.
Kosten 5,25 Millionen Euro waren für Kanal-, Straßenbau und Beleuchtung ausgegeben worden, 185.000 weitere für den Brunnenplatz und das Straßengrün.
Was noch Bis Ende 2010 wird die Mauer, hinter der der Parkplatz von Acument ist, versetzt.
Nachbarin Renate Lich ist sauer. Die 70-Jährige ist gehbehindert. Mit vollen Einkaufstaschen sei es für sie unmöglich, den Weg von der neuen Haltestelle nach Hause zurück zu legen. Bereits 150 Unterschriften hat Johann Bovenschen gesammelt, damit die Haltestelle "Wolberostraße" an der Römerstraße wieder hergestellt wird.
Dass während der anderthalbjährigen Bauphase fast nie die Ansprechpartnerin des Tiefbauamtes zu erreichen war, darüber beschwerte sich Marianne Haring. "Und der ständige Dreck, den wir in Kauf nehmen mussten, war einfach furchtbar", sagt die 57-Jährige. Zwei große Schwachpunkte sehen Renate Ulrich und Herbert Rohr im Radweg und im Kreisverkehr. "Der Radweg hört vor dem Kreisverkehr auf. Die Radler fahren dann neben den Autos. Das ist sehr gefährlich", meint Rohr. Dem können Manfred Webersinn (66) und Siegfried Katschke (64) nur zustimmen. Webersinn hält die Verkehrsführung für "lebensgefährlich" und Katschke sagt für die nahe Zukunft einen Unfall voraus. Die "Lobhuddelei" für den Kreisverkehr sei, so das Duo, gar nicht nachzuvollziehen. Kompetente Unterstützung erhalten Webersinn und Katschke von Uwe Wolter (56). Der Bezirksbeamte der Polizei beobachtet die Situation schon seit einigen Tagen: "Das wird nicht lange gut gehen."
Die Anwohner haben kein Verständnis für die lange Bauzeit. Nachwuchs haben während dieser Phase Dominik Boeken (22) und Stefanie Schelkle (21) bekommen. Die elf Wochen alte Emily schlummert im Kinderwagen, ihre Eltern freuen sich über die erhöhten Bordsteine, durch die der Einstieg in den Bus wesentlich erleichtert werde. Die Freude über die Fertigstellung verdrängt aber nicht die Kritik. Ludwig Post (80) und Bernd Kessel (46) ziehen unwidersprochen das Fazit: "18 Monate war einfach zu lang."
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