Planungsausschuss (NGZ). UWG-Ratsherr Dietmar Pietsch traf den Kern: "Ich habe den Planungsausschuss selten so ratlos gesehen." CDU-Planungsexperte Heinz Hick sprach von einem "Desaster". Was war geschehen? Eigentlich sollten die Ausschussmitglieder im wesentlichen nur die Bewerbung für die Teilnahme am Landeswettbewerb "Neuzeitliche Architektur auf innerstädtischen Brachflächen" bestätigen und einen Teilbereich hinter dem Hauptbahnhof (Containerterminal) dafür bereit stellen.
Sie wurden jedoch von Planungsdezernent Stefan Pfitzer und dessen Mitarbeiterin Müssigmann überraschend davon informiert, dass tags zuvor das Landesministerium einen kräftigen "Zuschlag" verlangt habe: Statt der vorgesehenen 10.000 Quadratmeter soll der Planbereich, der parallel zur Wingender-/Wolker-/Ripuarierstraße liegt, für den Wettbewerb verdoppelt werden. Mit einschneidenden Auswirkungen auf die Rahmenplanung Vordere Furth?
Das befürchteten viele im Ausschuss: "Wenn die Vorstellung des Ministeriums so umgesetzt wird, können die Workshop-Arbeiten des Forums Stadtentwicklung in den Papierkorb geworfen werden", sagte ein Ausschussmitglied am Rande. "Auf dieser Grundlage können wir nicht sachgerecht entscheiden", sagte CDU-Fraktionschef Dr. Bernd Koenemann.
Unter der Beteiligung von interessierten Bürgern hatten zehn Teams mit Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten im vergangenen Jahr Visionen für das Areal des ehemaligen Containerterminals entwickelt, um dort eine deutliche städtebauliche Aufwertung (Wohnen, viel Grün) zu erreichen. Diese Visionen stehen jetzt offenbar auf der Kippe, weil ihnen die Vorstellungen des Ministeriums entgegenstehen.
Die Verdoppelung der Wettbewerbsfläche würde, hieß es im Ausschuss, den Planungsbereich so zerschneiden, dass in Richtung Bahngleise keine andere sinnvolle Nutzung mehr möglich wäre. Der vorgesehene Investor, Neusser Bauverein, plant in dem Wettbewerbsgebiet rund 160 Wohnungen in Form von "Service-Wohnen". Er kann für den Wettbewerb fünf Büros setzen; hinzu kommen weitere 20 Büros.
Um einen größeren Neusser Einfluss zu gewährleisten, hat Heinz Hick Bürgermeister Herbert Napp am Donnerstag in einem Brief Verbesserungswünsche mitgeteilt: Danach soll das Wettbewerbsgebiet über die Vorstellungen des Landes hinaus vergrößert werden, um dort keine "tote" Fläche entstehen zu lassen; die Erschließungsfrage muss geklärt werden, auch für das gesamte, vom Workshop betrachtete Plangebiet; allen Wettbewerbsteilnehmern wird die Workshop-Broschüre "Vordere Furth" als Teil der Grundlage ausgehändigt; ein Ratsmitglied ergänzt das Preisgericht, ebenso ein Mitglied des Forums Stadtentwicklung mit beratender Stimme.
Die Verwaltung soll nun die aufgeworfenen Fragen klären und kurzfristig eine Sondersitzung anberaumen, an der auch das Ministerium vertreten sein soll. Klaus D. Schumilas
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