Neuss (NGZ). Neuss/Salzburg Zum zweiten Mal ist die Deutsche Kammerakademie (dkn) als Residenzorchester zur Internationalen Sommerakademie am Salzburger Mozarteum eingeladen.
Die dkn gibt dort zwei Konzerte und begleitet den Dirigierkursus von Peter Gülke. Exklusiv für die NGZ-Leser schildert dkn-Intendant Matthias Gawriloff seine Eindrücke.
Nach den Proben in Neuss reiste das Orchester am Sonntag mit großer Freude an, um am Montagabend mit dem ersten Konzert im ehrwürdigen Saal des Mozarteums die Sommerakademie zu eröffnen.
Wie alte Freunde wurden wir empfangen; das Konzert wurde über das Radio in ganz Österreich übertragen.
Mit Siegesmund Ritter von Neukomms Ouvertüre „Les Heros“ ging es los. Die Kammerakademie - dieses Jahr in sinfonischer Besetzung - spielte mutig auf. Heldenhafte Fanfaren ließen sogar die Kristalle in den Leuchtern über der Bühne hin und her wiegen. Bei der Kammersinfonie op.
110 a von Dmitri Schostakowitsch wechselte Lavard Skou-Larsen vom Dirigentenstab zur Violine, um als Konzertmeister mit Verve das Orchester durch ein Wechselbad der Gefühle zu führen.
Der Mut, ganze Passagen ohne Vibrato fast mit der Bogenstange zu spielen, erzeugt einen neuen klirrenden Klang.
Die Handschrift von Skou-Larsen ist deutlich erkennbar, und der Klang der dkn ist unverwechselbar.
Höchste Präzision und große Spielfreude lassen auch das Herz des Tonmeisters im Ü-Wagen höher schlagen, und das Publikum dankt mit euphorischem Applaus vor der Pause. „Könnte man so auf CD pressen“, kommentiert jemand vom Aufnahmeteam.
Schon 2002 hat Wolfgang Danzmayr Schuberts B-Dur Klaviersonate für Orchester und Klavier arrangiert. Kein herkömmliches Klavierkonzert, sondern das Klavier ist „primus inter pares“, wobei als Partnerin des Orchesters Janna Polyzoides agiert.
Danzmayr folgt prinzipiell dem Klavier-Original. Dann jedoch wird das Werk zunehmend bearbeitet, und durch das Dehnen und Verschieben mancher Phrasen werden offene Bezüge hergestellt: Es entsteht ein ganz moderner Klang.
Fast schon kafkaesk ziehen die Phrasen durch den Raum. Also kein Arrangement, sondern ein Trans-Skript, ein strenger und freier Umgang mit der Vorlage. Der Hörer bekommt einen tiefen Einblick in das Seelenleben von Schubert.
Nach dem Konzert treffen sich die Musiker der dkn mit vielen Dozenten der Sommerakademie beim Empfang. Der Saal ist voll mit musikalischen Gedanken, und beim Wein machen wir schon Pläne für das nächste Jahr.
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