Neuss (NGZ). Auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch das Neuss vor 2000 Jahren führt die Ausstellung "Grenzenlose Gaumenfreuden – Römische Küche in einer germanischen Provinz". Morgen ist die Eröffnung im Sels-Museum.
Was in Neusser Töpfen und Pfannen an Gemüse, Fleisch und Gewürzen brutzelt und duftet, brachten die Römer größtenteils schon vor 2000 Jahren ins Rheinland und nach Neuss. Die römischen Soldaten und Verwaltungsmitarbeiter bauten damals viele der heute benutzten Gewürze, Gemüsepflanzen und Obstsorten erstmals an. Andere Lebensmittel aus dem Mittelmeerraum wie Olivenöl oder Wein sowie Geschirr aus Glas und Keramik und Kochtöpfe aus Eisen importierten sie ins Rheinland, wo es diese verfeinerte Esskultur zu der Zeit noch nicht gab.
Vom Reiskorn, über Amphoren für Olivenöl und Fischsauce, bis hin zu Keramiksieben und Kochtöpfen sowie landwirtschaftliche Geräte präsentiert das Clemens-Sels-Museum in der Ausstellung "Grenzenlose Gaumenfreuden – Römische Küche in einer germanischen Provinz" ab morgen diese Vielfalt. Riechen und anfassen ist in der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Labor für Archäobotanik der Universität Köln entstanden ist, ausdrücklich erwünscht.
Die Ausstellung
Vernissage ist morgen, 18 Uhr
Ausstellungsort ist das Clemens-Sels-Museum, Am Obertor
Dauer der Ausstellung bis 9. Januar
Geöffnet ist die Ausstellung (außer montags) täglich von 11 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr
"Ein verkohltes Getreidekorn kann mehr Aufschluss geben als eine Scherbe", sagt Dr. Jutta Meurers-Balke vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität zu Köln. Diese Körner sind somit auch einige der spektakulären Exponate in der Ausstellung. "In Novaesium konnten unter anderem die ältesten Reiskörner der Alpen nachgewiesen werden", sagt der Kurator der Ausstellung, Dr. Carl Pause. Aber auch Kichererbsen und Datteln aus dem 1. Jahrhundert nach Christus zeigen, welche Früchte die Römer damals ins Rheinland einführten und die heute als selbstverständlich in der Küche betrachtet werden.
In einem Kurzfilm wird rekonstruiert, wie die Römer etwa aus Dill und Petersilie Gewürzpasten zum Kochen vorbereiteten. Auch Fischsaucen wurden schon damals als Geschmacksverstärker beim Kochen eingesetzt. "Die Fischsauce war sozusagen das Maggi der damaligen Zeit, wurde fast immer beim Kochen und Braten verwendet", sagt Dr. Pause. Wie so eine Sauce damals roch, können Besucher aus einer kleinen Amphore riechen.
Anhand von Funden wie Doppelhacken, zweizinkigen Hacken aus Eisen (Neusser Fund) und Miniatur-Konstruktionen von Werkzeugen wird deutlich, mit welchen Werkzeugen und Geräten die Römer auch die rheinische Landwirtschaft "revolutionierten" und "effektiver" machten, sagt Pause.
Wie die Musik bei einem Gesellschaftsessen klang, können Besucher an einer akustischen Ausstellungsstation hören. Ein Musikinstrument ist zugleich auch ein besonderes Exponat: die Fragmente einer aus Buchsbaumholz geschnitzten Panflöte. "Davon gibt es in ganz Europa vielleicht gerade einmal drei", sagt Dr. Pause.
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