Neuss (NGZ). Neuss (hbm) Großes Leiden und viel harte Arbeit - das hat den Koreaner Ki-Chun Park dorthin gebracht, wo er heute steht: Er ist festes Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart, ein berühmter Mann in seiner Heimat und in ganz Europa ein gefragter Solist.
Der Sänger ist im Tenorfach zu Hause. Genauer im spinto, dem italienischen Gegenstück zum Fach des jugendlichen Helden. Radames in Verdis „Aida“ zum Beispiel ist eine Rolle für ihn. Oder Rodolfo in Puccinis „La Bohème“. Hat er auch alles schon gesungen, erzählt der Künstler lachend und beantwortet damit auch gleich die Frage nach seiner Traumrolle: „Ich hatte sie eigentlich schon alle ...“
Ki-Chun Park ist der erste männliche Gesangssolist in der Geschichte der Klassiknacht der Deutschen Kammerakademie im Rosengarten. Aber ein weiblicher Gast wäre bei dem Motto der aktuellen Auflage am kommenden Freitag - „Helden, Mythen, Sagen“ - auch wohl fehl am Platze.
Aber bis er in der Lage war, etwa die Arien des Radames zu singen, hat Park harte Zeiten durchlebt. Und eben viel gelitten, denn spinto gilt als das schwerste Tenorfach. Körperliche Fitness zum Beispiel sei da sehr wichtig: „Sobald eine Erkältung im Anzug ist, wird es riskant für die Stimme.“
Dass er Tenor werden wird, stand dabei außer Frage - nachdem er sicher war, dass er seine Leidenschaft, das Singen, auch zum Beruf machen kann. „Obwohl ich nie geglaubt hätte, dass ich einmal als Profi auf großen Bühnen stehen würde“, gesteht er lachend.
Aber die nach seinen Worten sehr gute Ausbildung an der Musikhochschule in Freiburg befähigte ihn schließlich, das schwierige Fach für sich zu erobern. „Ich könnte wohl auch einen deutschen Heldentenor singen“, erklärt er, aber grundsätzlich sei der schon etwas sehr Spezielles, mit dem eigentlich nur deutsche, vielleicht noch skandinavische Sänger klar kämen. Und umgekehrt? Kann ein deutscher Heldentenor italienische Arien singen? Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht: „Lieber nicht ...“
Seit 1982 lebt Park in Deutschland, hat inzwischen eine Familie mit zwei Kindern und wohnt in Schwetzingen. Berufliche Stationen vor Stuttgart waren etwa die Nationaloper Mannheim und die Staatsoper Hannover. Die feste Verpflichtung in einem Ensemble verschaffe ihm die nötige Sicherheit, gibt er ganz offen zu. „Früher war es einfacher, als freier Künstler sein Geld zu verdienen, aber heute sind die Zeiten viel schlechter.“
So genießt er denn Auftritte wie bei der Klassiknacht im Rosengarten. In Neuss ist er sowieso zum ersten Mal; Düsseldorf kennt er immerhin von Besuchen als Tourist: „Ich würde dort gerne mal arbeiten, aber irgendwie hat es bislang trotz mehrfacher Anfragen nie geklappt.“ Open-Air-Konzerte liebt Ki-Chun Park: „Aber es gibt in der Klassik viel zu wenige, weil die meisten meinen, sie müsse in geschlossenen Räumen aufgeführt werden.“
Obwohl der Auftritt in frischer Luft für einen spinto-Tenor nicht ohne Risiko ist: „Klar“, sagt er, „wenn die Luft feucht ist, oder zu trocken, oder wenn man Allergiker ist, hat man Probleme.“ Am schlimmsten aber, so erzählt er und lacht, sei es, wenn die Mücken im Scheinwerferlicht auf der Bühne tanzten und beim Singen plötzlich eine in den Mund geriete ...
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