Neuss (NGZ). Was bekommen Schüler an Gymnasien und Gesamtschulen auf den Tisch? Eine Ernährungswissenschaftlerin hat ihnen auf den Teller geschaut. Und einiges gefunden, das verbessert werden könnte.
Saubere Toiletten und gesundes Essen – es gibt kaum andere Themen, die in Elternpflegschaftssitzungen häufiger und emotionaler diskutiert werden. Vor allem, seit Eltern immer mehr Wert darauf legen, dass ihre Kinder mittags nicht nur eine warme Mahlzeit auf den Tisch bekommen – auch gesund muss sie sein.
Weil die Schüler an den Gymnasien durch "G 8" auch nachmittags an den Schulen sind, bieten inzwischen sieben der acht Neusser Gymnasien und Gesamtschulen ein Mittagessen an. Das Nelly-Sachs-Gymnasium wird dieses nach den Sommerferien tun.
Die Konzepte sind unterschiedlich. So setzt das Marienberg-Gymnasium auf das Prinzip "cook & chill". Dabei werden die warmen Speisenkomponenten auf herkömmliche Weise zubereitet und gegart, dann aber innerhalb von 90 Minuten auf eine Temperatur von unter drei Grad gekühlt. Sie wird erst unmittelbar vor der Ausgabe wieder auf Verzehrtemperatur erwärmt. "Wir sind sehr zufrieden", sagt Schulleiter Josef Burdich.
Das Gütesiegel
Zertifikat Die Hochschule Niederrhein vergibt Gütesiegel an Schulen und Caterer für hochwertiges Schulessen. Dafür wird erst ein Fragebogen ausgefüllt, dann folgt die Überprüfung der Verhältnisse vor Ort.
Kooperation Partnerin ist die Verbraucherzentrale NRW.
Kosten Das Gütesiegel kostet 1600 (für Schulen) oder 1800 Euro (Caterer).
Bewerbung Schulen können sich per E-Mail bewerben: ag-schulverpflegung@hs-niederrhein.de
Positivliste Im Internet sind alle zertifizierten Betriebe und Schulen aufgeführt: www.ag-schulverpflegung.de
Das Marie-Curie-Gymnasium und Gymnasium Norf (mit neuer Mensa) wiederum beziehen das Essen von einem Caterer mit Sitz in Gnadental. An der Janusz-Korczak-Gesamtschule wurde eine Ganztagsverein gegründet und dort stehen Mütter an den Kochtöpfen: "Wir kaufen nur Fleisch oder Fisch bei einem Caterer ein", sagt Schulleiter Achim Fischer. "Alles andere wird bei uns frisch zubereitet: Gemüse, Reis, Nudeln."
Aber wie gut ist das, was den Schülern letztlich aufgetischt wird? Rundum überzeugend ist es nicht, was die Ernährungswissenschaftlerin Ute Rademacher von der Hochschule Niederrhein auf den Tellern der sieben Neusser Schulen fand. Um den Schülern eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu ermöglichen, plädiert sie dafür, mehr Obst und frisches Gemüse anzubieten: "Rohkost essen Kinder lieber als gekochtes Gemüse. Salat sollte stets dabei sein." Das Argument, dass viele Kinder Pizza und Pasta gesundem Gemüse den Vorzug geben würde, teilt Rademacher so nicht: "Man kann auch gesunde Pizza backen."
Für viele Schulen ist es ein Problem, den "richtigen" Caterer zu finden. Sie hätten es leichter, wenn Essenslieferanten sich zertifizieren lassen würden – so wie es die Hochschule Niederrhein anbietet. Dieses Gütesiegel gäbe Eltern die Gewissheit, dass Qualität auf die Teller ihrer Kinder gelangt.
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