Neuss (NGZ). Die Stadt will gemeinsam mit den Immobilienbesitzern eine Strategie entwickeln, um den Leerstand bei Büroflächen zu bekämpfen. Das ist bitter nötig, denn Wirtschaftsforscher halten die Neusser Leerstandsquote für zu hoch.
Die Einladungen an die Neusser Immobilienbesitzer sind schon geschrieben für Gespräche, mit denen die städtische Wirtschaftsförderung den hiesigen Büroflächenmarkt wieder ankurbeln möchte.
Die Offensive hat ihren Grund: Neuss hat eine rekordverdächtige Leerstandsquote – zumindest nach Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Demnach hat die Stadt eine Leerstandsquote von 16,2 Prozent – und liegt damit nur knapp hinter der "Leerstandshauptstadt" Frankfurt am Main (17,5 Prozent).
Die Stadtverwaltung, die derzeit noch an einer eigenen Leerstandsstatistik arbeitet, hält die Zahlen der Kölner Forscher für "zu hoch gegriffen", wie Wirtschaftsförderer Frank Wolters sagt. Allerdings gebe es in der Stadt Probleme insbesondere bei größeren Büroflächen, die schwer vermittelbar seien.
Büroflächen in Neuss
Objekte In Neuss gibt es 1267 Bürogebäude auf einer Fläche von 979 000 Quadratmetern.
Größen 25 Prozent des Flächenbestands ist bis 1000 Quadratmeter groß, 13 Prozent gehören zu den größten Immobilien mit über 25 000 Quadratmetern.
Alter Seit dem Jahr 1990 sind 334 Objekte neu gebaut worden. In den 30 Jahren davor waren es 406.
Neuss verfügt über knapp eine Million Quadratmeter Bürofläche, davon sind nach Auskunft der Stadt mehr als ein Zehntel über 25 000 Quadratmeter groß. "In den vergangenen Jahren hat es einen Bauboom bei Büroimmobilien gegeben", sagt Volkswirt Tim Clamor vom IW Köln. "Aber die Zahl der Bürobeschäftigten nahm nicht ebenso rasant zu", so Clamor. Es kam es zu einem Überangebot, unter dem nicht nur Neuss leidet: Düsseldorf kommt auf eine Leerstandsquote von 12,2 Prozent, wie die Kölner Zahlen zeigen.
Im Vergleich der 125 größten deutschen Städte sind durchschnittlich 7,5 Prozent der Büroimmobilien verwaist. Von dieser Quote ist Neuss weit entfernt – auch weil die Strategie der Stadt, Entlastungsstandort für Düsseldorf zu sein, angesichts des Leerstands in der Landeshauptstadt nicht mehr greift.
Die Stadtverwaltung argumentiert, dass ein gewisser Leerstand – quasi als Puffer – vorhanden sein müsse, falls die Nachfrage steige. Diese Theorie kennt auch Tim Clamor, der allerdings davon ausgeht, dass ein maximaler Leerstand von vier bis fünf Prozent ausreichend ist. Und ob dies überhaupt sinnvoll sei, darüber werde unter Wirtschaftsforschern heftig gestritten.
Clamor hat in seiner Studie festgestellt, dass vor allem ältere Gebäude schwer vermittelbar sind, weil sie modernen Standards nicht mehr erfüllen, zum Beispiel in puncto Energieeffizienz. Das wiederum ist in Neuss weniger das Problem, denn laut Wirtschaftsförderer Wolters sind es eher jüngere Immobilien, die als schwer vermittelbar gelten – weil sie zu groß sind.
Die Stadt wolle nun Gespräche führen mit den Eigentümern und sich stärker öffentlich als Büro-Standort profilieren, sagt Wolters. Denn das Flächenangebot sei gut – das müsse an potenzielle Mieter nur besser vermittelt werden.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.