Neuss (NGZ). Neuss Diese Kirche wurde nicht für eine Gemeinde allein gebaut: Dieses Gefühl, das sich jedem aufdrängt, der vom Altarraum ins Schiff des Quirinus-Münsters schaut, ist für Monsignore Guido Assmann eine (historische) Tatsache. „Die Menschen wollten zum Heiligen Quirinus“, sagt er, die große Kirche war über Jahrhunderte das Ziel vieler Pilger.
An diese Tradition der Quirinus Wallfahrt will der Oberpfarrer und Kreisdechant wieder anknüpfen. Mit einem überschaubaren Aufwand, wie er betont, und einer realistisch begründeten Bescheidenheit. „Sicher werden demnächst nicht die Busgruppen von Santiago de Compostella nach Neuss fahren.“
Über die Neubegründung einer Wallfahrt hatte Assmann schon laut nachgedacht, als er sich im vergangenen August mit 30 anderen von Dormagen, seinem vorherigen Dienstort, zum Quirinus-Schrein aufmachte. Eine Auszeit vom Alltag nehmen, gemeinsam unterwegs sein, Bestätigung in Gemeinschaft finden - all diese Elemente einer Wallfahrt fanden sich in diesem Gang schon wieder. Aber er blieb ein Einzelereignis.
Im Jahr eins nach seinem Dienstantritt hat Assmann nun ein Wallfahrts-Programm für eine ganze Woche komponiert; die Quirinus-Oktav. Eine Pilgerfahrt ist zwar nicht dabei und das schon abgemachte musikalische Abendgebet mit Chören aus dem Kreisdekanat musste wieder aus dem Programm genommen werden, aber all das sieht Assmann heiter: „Man muss nicht alles im ersten Jahr machen.“
Schließlich wird schon das kommende Jahr ein besonderes, denn am 9. Oktober wird der 800. Jahrestag der Grundsteinlegung zum Münsterbau gefeiert. Ausstellungen und andere Veranstaltungen werden dann natürlich auf den Bau und seine Geschichte eingehen und so dem Jahr und auch der Quirinus-Oktav eine kunsthistorische Prägung geben. Deshalb wollte Assmann eine solche Akzentsetzung zum Auftakt nicht. Das Geistliche soll im Vordergrund stehen. Sein Hauptwunsch: „Das Gebäude, diesen heiligen Ort, mit Gebet und Glauben erfüllen.“
Adressat der ersten Qurinius-Wallfahrt ist die Gemeinde („Eine Glaubenswoche für die Pfarrei“) ebenso wie die Stadt („Eine Exerzitienwoche für Neuss“), in der sich viele Menschen mit der Kirche und dem Stadtpatron identifizieren - auch wenn sie nicht zu den regelmäßigen Kirchgängern gehören. Ihnen soll die Wallfahrt die Möglichkeit eröffnen, mit Christus in Berührung zu kommen. Denn der Heilige Marschall sei letztlich nur ein Mittler auf dem Weg zu ihm.
Das Programm für die QuirinusOktav wurde vorgestellt, eine Internetseite ist im Aufbau und eine Wallfahrtskerze ist in Auftrag gegeben. Diese Kerzen sollen in der Oktav auch vor dem - ansonsten alarmgesicherten - Schrein des Heiligen entzündet werden können. Wallfahrtsbildchen werden ausgegeben und um ein Pilgeropfer für Bedürftige wird gebeten.
Wie im Mittelalter, als die Pilger sogar auf der Empore der Kirche nächtigten. Das wird es auch geben - aber als Gemeinschaftserlebnis für die Messdiener. Assmann: „Wir wollen das Mittelalter nicht zurückholen. Wir müssen den Glauben so leben, dass er zeitgemäß ist.“ Wallfahrten gehörten immer dazu.
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