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Druckexponate zum Staunen: Zur Probe ins Museum

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 25.09.2009 - 22:30

Druckexponate zum Staunen (NGZO). Eine kleine Ausstellung mit Exponaten aus der Sammlung populärer Druckgrafik von Dr. Irmgard Feldhaus in dem neuen, noch nicht ganz fertigen Museum auf der Raketenstation weckte große Erwartungen.

Konnten zahlreiche Neugierige begrüßen: Dr. Irmgard Feldhaus (l.) und Dr. Uta Husmeier-Schirlitz in Hombroich.   Foto:  A. Woitschützke
Konnten zahlreiche Neugierige begrüßen: Dr. Irmgard Feldhaus (l.) und Dr. Uta Husmeier-Schirlitz in Hombroich. Foto: A. Woitschützke

Hombroich Als Fritzchen so säuberlich und akkurat die vom Lehrer verlangten Sätze in sein Heft schrieb, konnte er kaum ahnen, dass sein Werk eines Tages im Museum landen würde. Warum Fritz Hoffmann oder seine Familie das Schulheft von 1875 aufbewahrt hat, lässt sich zwar nicht mehr klären – wohl aber, warum es mehr als 100 Jahre später zum kulturhistorischen Zeugnis wird: Es fiel Dr. Irmgard Feldhaus in die Hände. Fritzens Heft hat indes auch nichts mit den heutigen gemein, denn zu seiner Zeit waren nicht nur Ordnung und Sauberkeit Gesetz, sondern auch ein schönes Titelblatt. Familie Lehner hatte sich beispielsweise für eines mit einer Szene "Aus der Verschwörung des Fiesko" entschieden, andere griffen zu Heften, deren Deckblätter mit kunstvollen Ornamenten verziert waren.

Info

Die Sammlung

Die Feldhaus-Sammlung umfasst etwa 5000 Einzelteile, überwiegend aus dem 19. Jahrhundert, die einem Volkskundler "das Herz aufgehen" lassen, wie der Fachmann und stellvertretende Direktor des Clemens-Sels-Museum, Dr. Thomas Ludewig, sagte. Ob Freundschaftsbilder, Bilderbogen, Lithografien, Poesiealben oder Spielkarten – sie seien als dokumentarisches Medium wichtig, um vergangene Welten zu erschließen.

Einen ersten Vorgeschmack auf die umfangreiche Sammlung populärer Druckgrafik, die die Gründungsdirektorin des Clemens-Sels-Museum mit Beharrlichkeit und Liebe zusammengetragen und der Stadt Neuss geschenkt hat, gab's schon vor knapp eineinhalb Jahren im Clemens-Sels-Museum. Etwas provisorisch ausgestellt in Vitrinen des Gartensaals, aber schon wirkungsvoll verdeutlichend, welche Schätze eines Tages dort zu besichtigen sein werden, wo die Sammlung untergebracht sein wird: im "Feld-Haus" auf der Raketenstation.

Das von Per Kirkeby entworfene und vom Sels-Museum als Dependance betriebene Gebäude wird zwar erst im nächsten Frühjahr seiner Bestimmung übergeben, aber mit einer kurzen, nur einen Abend dauernden Ausstellung von kleinen Teilen der Sammlung in ihrem künftigen Zuhause wollte das Sels-Museum unter Dr. Uta Husmeier-Schirlitz ein Zeichen setzten. Zusammen mit der ehemaligen Museumsdirektorin Dr. Gisela Götte hat irmgard Feldhaus einige Exemplare ausgesucht, die zumindest eine Ahnung davon vermitteln, was die Kunsthistorikerin über die Jahre auf Trödelmärkten, bei Haushaltsauflösungen, aber auch bei Händlern, die genau wussten, was sie interessierte, erstanden hat.

Am liebsten wäre ihr es, "wenn die Dinge aus dem Haus kommen", sagt die 89-Jährige lächelnd, aber das wird noch ein bisschen dauern. Denn auch wenn die Ausstellungsräume im Feld-Haus schon einen recht fertigen Eindruck machen – im künftigen Depot und Forschungsraum für Wissenschaftler muss noch einiges passieren. Mögen die Heiligendarstellungen oder Freundschaftsgaben einst Dinge des Alltags gewesen sein, an Küchenwänden gehangen, in Schubladen gelegen haben – heute sind sie empfindliche Werke, die unter bestimmten klimatischen Bedingungen aufbewahrt werden müssen. "So manches Bildchen hat nur seine Farben bewahrt, weil es immer in einem Kästchen lag", sagt Götte und weist auf kleines Gemälde, durch das Ives Klein die Anregung für sein berühmtes Blau bekommen haben könnte.

Immerhin machte diese kleine Ausstellung neugierig auf das, was dort in den nächsten Jahren alles zu sehen sein kann. In Räumen, die zwar schlicht gestaltet sind, aber in denen sich durch den kathedralenähnlichen Charakter und im kontrastreichen Zusammenspiel mit den satten Farben, den naiven und auch kunstvollen Darstellungen ein jntensives Spannungsfeld zwischen Heute und Gestern bildet.

Quelle: RP

 
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