Neuss (NGZ). Neuss Die Erft hat die Landschaft geprägt, aber der Mensch die Erft. Die Folgen sind bekannt. An vielen Fällen ist der Fluss begradigt, Auen sind trocken gefallen, die Fischfauna kann sich nicht voll entfalten. Die Erft innerhalb der nächsten 40 Jahre wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen, ist das Ziel des „Perspektivkonzeptes 2045“.
Abschluss im Jahr 2015
Die Umgestaltung der Erft zwischen Bergheim und Neuss soll im Jahr 2045 abgeschlossen sein, wenn auch die Braunkohlenförderung abgeschlossen ist. Mit dem Termin wird es auch keine Sümpfungswässer aus den Kohlegruben mehr geben, die in die Erft eingeleitet werden. Zur Umgestaltung wurde die Erft in 23 Abschnitte eingeteilt. In Neuss und Grevenbroich will der Erftverband 2015 fertig sein.
Das ist nicht so lange hin, wie die Zahl vermuten lässt, denn für zwei Flussabschnitte - von sieben auf Neusser Stadtgebiet - sind die Planungen schon so weit gediehen, dass erste Genehmigungsverfahren eingeleitet, erste Maßnahmen umgesetzt werden. Beginn: nächstes Jahr.
Dass Neuss in der Prioritätenliste ganz oben steht und eine Pilotprojektfunktion übernimmt, hat nach Darstellung von Stefan Lins vom Umweltamt nichts damit zu tun, dass der Fluss von der Mündung Richtung Quelle „umgekrempelt“ wird. Priorität genießt Neuss, weil die Maßnahmen dem Erftverband, der das Vorhaben betreibt, lohnend erschienen und weil keine Grundstücksfragen den Zugriff auf erftnahe Flächen erschweren. Ein Beispiel ist die Museumsinsel Hombroich, wo die Stiftung nach Darstellung des Umweltamtes Unterstützung zugesagt hat.
Größere Veränderungen im Flussverlauf, die auch dem Spaziergänger auffallen, werde es im Bereich Gnadental geben. Auf den letzten zweieinhalb Kilometern vor der Mündung - also etwa ab der Überführung der A 57 - wird ein Teil des heutigen Erftbettes verfüllt.
Der Erftverband will dort zwei noch vorhandene Altarme nutzen und den Fluss in das alte Gewässerbett verlegen. In einem so genannten Migrationskorridor, der in dem Abschnitt zwischen Autobahn und Bonner Straße bis zu 300 Meter Breite hat, soll sich der Fluss in der Talaue seinen Weg selbst suchen können. Dazu muss auf starre Uferbefestigungen verzichtet werden.
Ein Effekt wird sein, dass sich der Weg des Wassers verlängert und die Fließgeschwindigkeit sinkt. Ein anderer, dass die Erft bei Hochwasser schneller in ihre natürlichen Überschwemmungsgebiete ausufern kann. Mit Blick in die Zukunft ist der Erftverband überzeugt, dass bei Aufgabe oder Reduzierung der bisherigen Nutzungen in Flussnähe weitflächige Auenwälder entstehen werden.
Den zweiten Planabschnitt, insgesamt 1300 Meter lang, definieren zum Einen der Punkt, wo die Erft bei Gruissem Neusser Stadtgebiet erreicht und zum anderen die Überführung der Straße Minkel. In diesem Abschnitt wird nach Darstellung des Erftverbandes die rechtsseitige Böschungssicherung entfernt. Die Erft bekommt dadurch die Gelegenheit, sich einen natürlichen Weg zu bahnen.
Für diesen ersten Eingriff wurde beim Rhein-Kreis Neuss als Untere Wasserbehörde schon eine Genehmigung beantragt, erfuhren am Mittwoch die Mitglieder des Umweltausschusses. Die in einem zweiten Schritt geplante Erhöhung der Gewässersohle - was durch die Verkleinerung des Frftgerinnes erreicht wird - wird den Fluss besser mit der Aue vernetzen und ihr das Ausufern erleichtern.
So entstehen natürliche Überschwemmungszonen, die sich nach Süden, in Richtung Münchrath, bis zu 300 Meter weit „ausbeulen“ können. In dieser Aue sollen Stillgewässer geschaffen und gepflegt werden. So viel Platz der Erft auch zum Mäandern zur Verfügung gestellt werden soll - die Motte, also Hügel einer ehemaligen Befestigung in Höhe von Hombroich - soll auf jeden Fall geschützt werden.
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