Neuss (NGZ). Das Spielen auf dem zugefrorenen Reuschenberger See wurde zwei Jungen im Alter von neun und zehn Jahren zum Verhängnis. Das Eis gab nach, die Kinder brachen ein. Die Feuerwehr zog beide Jungen raus, der Neunjährige musste reanimiert werden.
An diese Szene werden Jan Gützlaff (16) und Marcel Pluta (17) noch sehr lange denken: der zugefrorene Reuschenberger See, aus dessen Mitte, meterweit entfernt, zwei kleine Kinderköpfe ragen; die verzweifelten Hilferufe, das Großaufgebot an Rettungskräften, das in diesem Moment anrückt, der Hubschrauber, das Schlauchboot, die Reanimation. Eigentlich wollten Jan und Marcel zum Eishockey-Training. Stattdessen wurden sie Zeugen eines tragischen Unfalls.
Mit Hubschrauber in die Uniklinik
Zwei Jungen im Alter von neun und zehn Jahren sind am Donnerstagnachmittag beim Spielen auf dem nahe der Autobahn A 57 gelegenen Reuschenberger See ins Eis eingebrochen. Minutenlang hatten sie sich mit dem Kopf über Wasser gehalten, bis einem von beiden die Kräfte versagten.
Die Körpertemperatur sinkt bei Unterkühlungen auf unter 36 Grad. Dadurch wird die Durchblutung der äußeren Körperschichten geringer. Symptome sind Zittern und flache Atmung, dann droht Bewußtlosigkeit. Wichtig ist, den Unterkühlten an einen windstillen Ort zu bringen. Dann ist ein Rettungsdienst zu rufen. Bis zu dessen Eintreffen soll der Unterkühlte wachgehalten, aber nicht zum Gehen aufgefordert werden. Nasse Kleidung ist zu entfernen, der Unterkühlte am besten in Decken einzuhüllen.
Der Neunjährige wurde unter die Eisplatte getrieben und musste nach der Bergung mit einem Rettungsschlauchboot wiederbelebt werden. Ein Hubschrauber brachte das Kind in die Düsseldorfer Uniklinik. Seinen zehnjährigen Freund konnte die Feuerwehr mit einem Rettungsring vom Eis ziehen. Er wurde in eine Neusser Klinik gebracht. Ein dritter Junge brach nicht ein; er ging zurück bis ans Ufer. Er steht unter Schock.
Um 16.28 Uhr war der Notruf - vermutlich von einem Passanten - bei der Neusser Feuerwehr eingegangen. Die Retter rückten mit zehn Einsatz- und drei Rettungswagen aus. Auch Taucher aus Düsseldorf wurden angefordert, kamen aber nicht zum Einsatz, weil die Feuerwehr mit Hilfe des Hubschraubers rechtzeitig zu den Kinder vorrückte. „Das war auch für uns eine schwierige und gefährliche Geschichte”, berichtete Einsatzleiter Heinrich Lambertz. „Unsere Leute waren mit Seilen gesichert, sonst wären auch sie sofort ins Eis eingebrochen.”
Gerade mal drei Zentimeter dick war die Eisschicht an der Stelle, an der die Retter gegen 16.40 Uhr in den See hineingingen. Das Wasser, sagt Lambertz, hatte circa drei Grad. Von der anderen Uferseite aus konnten Jan und Marcell das Geschehen mitverfolgen. „Wir haben gesehen, wie zwei Feuerwehrmänner zunächst versucht haben, mit Schutzanzügen auf dem Bauch zu den Jungen hin zu robben. Das hat aber nicht funktioniert sie waren zu schwer.”
Die Besatzung eines Rettungshubschraubers warf schließlich einen Rettungsring auf die Eisfläche. Der Zehnjährige bekam ihn zu fassen und konnte ans Ufer gezogen werden. Dem Neunjährigen dagegen versagte die Kraft. Mehrmals verschwand sein Kopf unter der Wasseroberfläche.
Mit einem ebenfalls vom Hubschrauber gezogenen Rettungsboot holten ihn die Männer aus dem See. Bereits im Boot und auch noch beim späteren Abtransport mit dem Helikopter musste er reanimiert werden. Wie es dem Jungen geht, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.
Die Feuerwehr warnt
Die Feuerwehr warnt grundsätzlich davor, zugefrorene Eisflächen überhaupt zu betreten. „Von außen ist nicht erkennbar, ob das Eis auch hält, gerade wenn auch noch Schnee darauf liegt”, sagt Oliver Schulz, Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr. Eltern sollten auch ihre Kinder auf die Gefahr deutlich hinweisen.
Eisflächen, die dunkle Flächen oder Risse aufweisen, sind lebensgefährlich. In der Regel stehen an öffentlichen Gewässern Schilder, die Besucher davon abhalten sollen, das Eis zu betreten. In Düsseldorf gebe es außerdem an den Gewässern Holzleitern. Damit können Helfer versuchen, einen Eingebrochenen wieder aus seiner misslichen Lage zu befreien.
Für denjenigen, der helfen will, gilt: Wenn irgendwie möglich, sollte das Eis nicht betreten werden. „Man kann versuchen, den Eingebrochenen mit Stöcken oder der Leiter zu retten”, sagt Schulz. Muss man doch aufs Eis, um helfen zu können, sollte das Körpergewicht möglichst auf eine große Fläche verteilt werden: Dazu kann man sich zum Beispiel mit dem Bauch auf die Leiter legen. Niemals sollten Bürger selbst in das Wasser eintauchen, um Personen zu suchen, sagen die Experten einstimmig. Das sollte den Fachkräften der Feuerwehr überlassen werden.
Zeugen des Unglücksfalles werden gebeten, sich mit der Polizei unter 02131-3000 in Verbindung zu setzen.
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