Neuss (NGZ). Neuss Ein bisschen besorgt war Captain Paul Wilman schon. Ob die Neusser mit der „Last Night of the Proms“ etwas anfangen können? Diesem traditionellen Mitmachevent zum Abschluss der Londoner Promenadenkonzerte? Bei dem das Publikum mitsingen und an den richtigen Stellen Union-Jack-Fähnchen schwingen muss? Doch sie konnten, die Neusser.
Nicht nur dank ihrer Karnevals- und Schützenfestvorbildung. Sondern auch, weil die „Night of the Proms“ des Lions Clubs Neuss-Rosengarten inzwischen zum festen Bestandteil des städtischen Konzerlebens geworden ist. Einmal im Jahr, so weiß man, laden die Damen zum Wohltätigkeitskonzert. Dank der guten Kontakte von Clubmitglied Helga Heine zu den Britischen Streitkräften in Deutschland gastiert jedes Jahr eine andere britische Militärkapelle im Zeughaus - in diesem Jahr die „Band of the Royal Regiment of Scotland“.
Das Ganze ist weniger Konzert als große Gaudi und endet ausgelassen mit allerlei patriotischen Werken, wie Hubert Parrys Vertonung von William Blakes Gedicht „Jerusalem“, Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ und „Rule Britannia“. Kurz: Ein Abend zwischen Pathos und Party, und auch bei seiner achten Auflage ließ sich das Publikum im voll besetzten Saal wieder mitreißen.
„You are fantastic“, war dann auch die Schlussbilanz des merklich angetanen Dirigenten. Und das alles noch für einen guten Zweck: In eindrücklichen Worten berichtete Dr. Honke Hermichen vom Lukaskrankenhaus zu Konzertbeginn von seiner Arbeit, der Versorgung von Kindern aus den Krisengebieten der Welt. Pro Jahr werden im „Lukas“ in Kooperation mit dem Friedensdorf Oberhausen drei Kinder mit schweren Kriegsverletzungen behandelt.
„Das ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber wir sollten uns davon nicht entmutigen, sondern ermutigen lassen“, sagte Hermichen. Gleichzeitig bedankte er sich für die 70 000 Euro, mit denen der Lions-Club Neuss-Rosengarten seine Arbeit bisher aus den Erlösen der vergangenen Benefizkonzerte unterstützt hat. Dieses Mal kamen 8000 Euro zusammen. Auch Paul Wilman zeigte sich begeistert vom Engagement der Neusser Damen, führte ansonsten charmant auf Englisch durch das Programm.
Im ersten Teil des Abends spielten die Instrumentalisten in Kilt und roter Uniform nach der englischen und der deutschen Nationalhymne überwiegend Märsche und Ouvertüren, die Kaarster Sopranistin Désirée Brodka interpretierte Arien aus der „Fledermaus“ und Puccinis „Gianni Schicchi“. Das schmissig arrangierte „Autumn Leaves“ gab einen Vorgeschmack auf die zweite Programmhälfte, in der eine beherzt aufspielende Big-Band-Formation Klassiker wie „Somewhere Over the Rainbow“ und „Summertime“ zum Besten gab.
Es bedurfte nach Billy Joels „New York State of Mind“ allerdings erst der wohl bekannten „Alten Kameraden“, um das Publikum wieder von den Stühlen zu holen. „I understand you like marches“, bemerkte Wilman augenzwinkernd, um anschließend das große Finale einzuläuten - mit Pauken und Trompeten, der „Fantasia on British Sea Songs“ und „Land of Hope and Glory“.
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