Neuss (NGZ). Am Mittwoch soll wieder Tour de France-Atmosphäre durch die Neusser Innenstadt wehen: Angeführt von Etappensieger André Greipel sind bei der 10. Auflage der Tour de Neuss sieben Fahrer am Start, die morgen auf den Champs Elyséés die Frankreich-Rundfahrt beenden werden
Allen Unkenrufen zum Trotz: Der Radsport lebt. Die Tour de France zieht weiter die Massen in ihren Bann, schrieb gestern mit dem Teilstück nach Alpe d'Huez eines ihrer spannendsten Kapitel der jüngsten Zeit. Stephan Hilgers hofft, dass ein wenig von dieser Begeisterung am Mittwoch auch im Innenstadtkarree zwischen Kaiser-Friedrich- und Breite Straße zu spüren sein wird.
"Wir haben jedenfalls alles dafür getan", sagt der Vorsitzende des Neusser Radfahrervereins (NRV) mit Blick auf die zehnte Auflage der Tour de Neuss, die drei Tage nach Zielankunft der Frankreich-Rundfahrt im Rennkalender steht – allen Unkenrufen zum Trotz. "Es ist ebenso erstaunlich wie bewundernswert, wie solch ein kleiner Verein diese Veranstaltung immer wieder gestemmt bekommt", stellt Jürgen Scheer, Pressesprecher der Stadtwerke Neuss, fest.
Die bisherigen Sieger
2002 Andreas Beikirch
2003 Erik Zabel
2004 Jens Voigt
2005 Robert Förster
2006 Markus Fothen
2007 Fabian Wegmann
2008 Gerald Ciolek
2009 Heinrich Haussler
2010 Tony Martin
Die SWN sind einer jener zwanzig Sponsoren, die die "Tour nach der Tour" weiterhin unterstützen. "Wir sind nicht von einem Großsponsor abhängig", sagt Hilgers – neben dem ehrenamtlichen Engagement einer der Gründe, warum die Tour de Neuss im Gegensatz zu vielen anderen im vermeintlichen Radsportboom der Jan-Ulrich-Ära aus dem Boden gestampften Rennen im Umfeld der Tour de France überlebt hat. Der Vorteil ist jedoch Nachteil zugleich, "denn so müssen wir jedes Jahr aufs Neue um unseren Etat kämpfen", verrät der Vorsitzende des nicht einmal fünfzig Köpfe zählenden Vereins.
Für die zehnte Auflage ist ihm und seinen Mitstreitern das erneut gelungen, wenn auch mit Mühe: "Die wirtschaftliche Situation und das Image des Radsports machen es nicht gerade leicht", weiß Theo Hillen, der sich um viele Sponsorenkontakte kümmert. Der Etat ist deshalb auch geringer als in der Vergangenheit, fünf-, sechstausend Euro für einen Fahrer auszugeben kommt da nicht mehr in Frage.
Trotzdem ist es Nadja Rath und Andreas Kappes gelungen, wieder ein nicht nur zahlenmäßig (58 sind gemeldet) starkes Fahrerfeld für das Eliterennen um den "Großen Preis der SKg-Getränke" auf die Beine zu stellen. Sieben Pedaleure – André Greipel, Marcel Sieberg, Sebastian Lang, Christian Knees, Danilo Hondo, Grischa Niermann, Gerald Ciolek – kommen direkt von der Tour de France. "Und alle sieben waren vor Beginn der drittletzten Etappe noch wohlauf", wusste Nadja Rath nach einem Telefonat gestern Morgen mit dem in Frankreich weilenden Andreas Kappes zu berichten.
Das Septett wird sich mit einer Reihe namhafter Fahrer duellieren, darunter in Joachim Tolles, Patrick Oeben, Markus und Thomas Fothen vier Lokalmatadore. In Markus Fothen (2006), Robert Förster (2005), Fabian Wegmann (2007), Gerald Ciolek (2008) und Heinrich Haussler (2009) sind fünf Sieger vergangener Auflagen am Start. Favorit ist jedoch André Greipel, der vor anderthalb Wochen die zehnte Etappe der Tour de France gewann. Der Sieg im "Alpe d'Huez am Stadtgarten" fehlt dem Rostocker noch in seiner stattlichen Erfolgsliste.
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