Neuss (NGZ). Thomas Voeckler hätte am Freitag wahrscheinlich gerne eines zur Verfügung gehabt, um hinauf nach Alpe d'Huez sein Gelbes Trikot zu verteidigen. Denn im Windschatten eines Derny-Motorrads haben Radfahrer eine Kraftersparnis von 30 bis 40 Prozent, können deshalb mit höheren Übersetzungen treten und so höhere Geschwindigkeiten erzielen.
Davon können sich die Zuschauer entlang des Rundkurses der Tour de Neuss am Mittwoch erstmals persönlich überzeugen. Denn vor dem Eliterennen um den Großen Preis der SKg-Getränke feiert bei der zehnten Auflage des Radsportspektakels ein Derny-Rennen seine Premiere.
Acht Fahrer werden sich hinter eben so vielen Schrittmacher-Maschinen 22 Kilometer lang um den Sieg streiten. "Das wird höchst spektakulär", ist Nadja Rath überzeugt, die zusammen mit Andreas Kappes für die Sportliche Leitung verantwortlich zeichnet. Wer diese acht sind, haben die beiden noch nicht ausgetüftelt. "Wir werden vier Tour de France-Fahrer und vier Lokalmatadore nehmen", verrät Nadja Rath. Die Idee, den Wettbewerb in das Tour-Programm aufzunehmen, kam Stephan Hilgers am Vorabend des 1. Mai, als der Vorsitzende des Neusser Radfahrervereins den "Spurt in den Mai" im Sportforum Kaarst-Büttgen besuchte. Denn beim Traditionsrennen des VfR Büttgen sind Derny seit Jahren fester Bestandteil des Renngeschehens sowohl auf der Bahn als auch auf der Straße. "Zum Jubiläum wollten wir mal etwas Neues ausprobieren", sagt Hilgers.
"Erfunden" wurden die von einem Zwei-Taktmotor angetriebenen Leichtmotorräder in Paris und dortselbst von der Firma Roger Derny & Fils gebaut – daher ihr Name. Sie wurden ab den dreißiger Jahren für Schrittmacherdienste beim seit 1891 ausgetragenen Klassiker Bordeaux-Paris eingesetzt. Der führte nämlich über 560 Kilometer – und diese Distanz mussten die Radrennfahrer an einem Tag zurücklegen, weshalb ihnen die Windschatten spendenden Motorradfahrer an die Seite gegeben wurden. Mit denen verständigen sich die Fahrer durch kurze Zurufe, denn das Duo muss gut harmonieren; fährt das Motorrad nämlich zu weit vor dem Fahrer her, hat sich die Sache mit der Kraftersparnis erledigt. Dann geht es ihnen so wie am Freitag Thomas Voeckler auf der Rampe nach Alpe d'Huez.
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