Neuss (NGZ). André Greipel ist schon ein ziemlicher Spaßvogel. Sein Internet-Tagebuch zur am Sonntag zu Ende gegangenen Tour de France stand unter dem Titel: "Mein erster Frankreich-Urlaub."
Und sein letzter Eintrag nach Platz drei im Finale auf den Champs-Élysées in Paris lautet: "Cadel Evans hat auf eindrucksvolle Weise gezeigt, wie man mit Kampfgeist ans Ziel kommt. Das soll mit ein Vorbild sein, wenn ich meinen nächsten Frankreich-Urlaub plane."
Das Kämpferherz des 29 Jahre alten Sprinters ist jedoch schon morgen wieder gefragt, wenn er bei der zehnten Auflage der Tour de Neuss als Favorit ins Eliterennen (Start um 19.15 Uhr) geht.
Denn die Konkurrenz ist erlesen: Montag Abend gab Stephan Hilgers, Vorsitzender des Neusser Radfahrervereins, in Tomas Vaitkus bereits den achten bei der Frankreich-Rundfahrt aktiven Profi bekannt. Der 29-Jährige spurtete am Sonntag zum Abschluss auf den achten Rang, im Gesamtklassement wird der beim Team Astana unter Vertrag stehende Litauer auf Rang 140 geführt. Sein größter Erfolg ist ein Etappensieg beim Giro d'Italia 2006.
Selbstvertrauen für die Tour de Neuss holte sich auch Joachim Tolles. Beim Wegberger Grenzlandrennen schafft er als Dritter bereits zum siebten Mal in dieser Saison den Sprung aufs Siegertreppchen. Dabei hatte sich der für das TT Raiko Argon 18 fahrende Uedesheimer eigentlich bei der Central-European-Tour in Ungarn den letzten Schliff für das Jubiläumsrennen in Neuss holen wollen. Aus "organisatorischen Gründen" fiel der Trip nach Békés jedoch aus.
Stattdessen machte sich der 25-Jährige in Wegberg bei strömendem Regen gemeinsam mit mehr als 100 Teilnehmern auf einen 41 Mal zu umfahrenden 2,1 Kilometer langen Rundkurs. Er war Mitglied einer siebenköpfigen Ausreißergruppe, die später auf 18 Fahrer anwuchs. Mit dem Sieg hatte er trotzdem nichts zu tun, denn wenige Runden vor Schluss gelangen Stefan Ganser (Team Eddy-Merckx-Indeland), der sich kurz darauf seinen zweiten Sieg in dieser Saison holte, und Stefan Cohnen (Team Differdange) die Flucht.
Im Sprint der 16 Verfolger aber ließ Tolles nichts anbrennen und sicherte sich damit einen weiteren Platz auf dem Podium. Danach meinte er bester Laune: "Meine Beine waren während des Rennens gar nicht so gut, aber im Sprint hat mich dann mein Adrenalin nicht im Stich gelassen."
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