Mit bewährter Führungsmannschaft nimmt der Neusser Radfahrerverein von 1888/09 die neunte Auflage der Tour de Neuss am 28. Juli in Angriff. Vorsitzender Stephan Hilgers wurde auf der Jahreshauptversammlung ebenso wiedergewählt wie seine Stellvertreterin Anita Michalsky.
Friedhelm Hamacher war immer ein Mann der Tat. Sein aufforderndes "Lott jonn!" hat wohl jeder noch im Ohr, der dem Anfang 2008 nach schwerer Krankheit verstorbenen Vorsitzenden des Neusser Radfahrervereins von 1888/09 irgendwann mal begegnet ist. Selbstdarsteller und Schaumschläger, die sich auf Kosten anderer profilieren wollen, hatten bei ihm schlechte Karten. Diese deftig-herzliche Art hat seinen Tod überdauert – und so wurde bei der Jahreshauptversammlung des NRV im Vereinsheim in Gnadental vor allem eines: angepackt.
Im Mittelpunkt standen dabei nicht Personen, sondern die Tour de Neuss, das Radsportspektakel mit Volksfestcharakter, das am 28. Juli seine neunte Auflage erlebt. Ein Event, das der nur 42 Mitglieder starke Verein ohne großes Brimborium professionell stemmt. Die kleine Mannschaft wird auch in den beiden kommenden Jahren angeführt von Stephan Hilgers, der 2008 mutig genug gewesen war, die Nachfolge von Friedhelm Hamacher anzutreten. Zu seiner Stellvertreterin wählten die 16 anwesenden Stimmberechtigten Anita Michalsky. Die hatte das vergangene Jahr dazu genutzt, "um zu gucken, ob ich mit den Leuten im Vorstand klarkomme". Sie konnte.
Haussler siegte 2008
Der im Vorjahr als Tour-de-France-Etappensieger nach Neuss gekommene Heinrich Haussler hatte der achten Auflage seinen Stempel aufgedrückt. In einem beeindruckenden Schlusssprint holte er sich bei seinem Neuss-Debüt den Sieg vor Tony Martin und Lokalmatador Markus Fothen; 4. Dominic Klemme, 5. Christian Knees, 6. Andreas Beikirch.
Und weil die Stimmung gerade passte, machte Kassierer Rudi Hahne Nägel mit Köpfen. Fast beiläufig fragte er Andreas Kappes: "Bist Du bereit, wieder den Sportlichen Leiter zu machen?" Der Ex-Profi, der Tour de Neuss in dieser Funktion bereits seit 2005 verbunden, entgegnete kurz und knapp: "Sonst wäre ich heute Abend ja wohl nicht hier gewesen." Als Antrittsgeschenk präsentierte er umgehend eine von Torsten Schmidt verfasste SMS. Darin teilte der Sportliche Leiter beim dänischen Team Saxo Bank mit, dass Publikumsliebling Jens Voigt, 2004 Sieger bei der Tour der Neuss, nach seiner verletzungsbedingten Pause im vergangenen Jahr gerne wieder in Neuss fahren würde.
Die Veranstaltung in der Quirinusstadt steht in dieser Saison noch stärker im öffentlichen Fokus, "denn in der Woche nach der Tour de France gibt es in Deutschland mittlerweile nur noch zwei internationale Rennen", hat NRV-Geschäftsführer Uwe Pommer ermittelt: "Die Tour de Neuss am Mittwoch und die City-Nacht von Rhede am 30. Juli. Wir sind übrig geblieben – diese gesteigerte Außenwirkung ist nicht zu unterschätzen."
Verbiegen lassen werden sich die "Tour-Macher" indes nicht. Leute wie Rudi Hahne, als dienstältestes Vorstandsmitglied (neun Jahre) mit der silbernen Ehrennadel des Vereins bedacht, wahren stets Bodenhaftung. Mit Silber geehrt wurde auch Theo Hillen, "jemand, der im Hintergrund für den Neusser RV arbeitet", lobte Hilgers und fügte lachend hinzu: "Auch wenn manchmal heftige Worte fallen, sie kommen immer von Herzen …"
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