Lokale Wirtschaft: Pfundige Frauen inszenieren
VON SIMON HOPF - zuletzt aktualisiert: 28.03.2006 - 21:30(NGZ) Büderich/Düsseldorf Doris Megger hat ein Unwort: „Übergrößen.“ Und sie hat eine ganz klare Meinung dazu: „Übergrößen, die gibt’s nicht.“
Wie bitte? In ihrem neuen Geschäft „Curves & Co“ am Schwanenmarkt verkauft die Büdericherin nichts anderes als Damenmode von Konfektionsnummer 40 bis 56 und Accessoires, die sich auch an voluminösere Hälse und Handgelenke schmeichelnd anschmiegen.
Und dann behauptet sie: „Übergrößen gibt’s nicht.“ Gibt’s das?
Es kommt auf die Sichtweise an, und Megger hat sich vorgenommen, das landläufige Klischee gründlich in Frage zu stellen.
Klar, ihre Kundinnen bringen ein paar Pfunde mehr auf die Wage, als es der Norm entspricht.
Aber sind ihre Maße deshalb „übergroß“? Nur für jene, die keine modischen Antworten auf mollige Formen haben. Megger hat sie - und deshalb spricht sie auch von kurvigen Frauen.
Sie geht noch einen Schritt weiter. Und um den besser nachzuvollziehen, empfiehlt es sich, gemeinsam mit ihr die Schaufenster ihres 300-Quadratmeter-Ladens genauer in Augenschein zu nehmen.
Was auffällt ist, dass nichts auffällt. Die Puppen tragen die gleichen sportiv-eleganten Modelle, wie sie gleich um die Ecke auf der Kö an den Attrappen präsentiert werden.
Genau das ist der Clou: Mode für Damen mit üppigeren Formen muss nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar sein.
Manche Designer haben das bereits erkannt - und Doris Megger hat sich in ihrem Geschäft auf deren ansprechende Mode spezialisiert. Auch mit ihrem eigenen Label „cake & candy“ ist sie vertreten.
Auf der Suche nach Neuem reist sie regelmäßig um die Welt, um „in jedem Land die Sahne zusammenzusuchen“.
Das macht sie mitunter ganz unkonventionell, indem sie einfach auf beleibtere Frauen in schönen Kleidern zugeht und fragt, wo sie sie erstanden haben. „Ich spreche fünf Sprachen, das erleichtert vieles.“
Wer sie betrachtet, käme übrigens nie auf die Idee, dass sie mit Designermode für Mollige handelt: Die 42-Jährige trägt Größe 36. „Aber gerade als Nichtbetroffene ist man prädestiniert.“
Der Blickwinkel sei einfach anders. Doris Megger hat sich zum Ziel gesetzt, „jede Rolle zu inszenieren“. Warum sollten kurvige Frauen ihre Formen kaschieren?
Die Diplomingenieurin für Bekleidungstechnik zitiert die Londoner Designerin Anna Scholz: „Ab Größe 46 fallen wir sowieso auf, dann können wir auch gleich den großen Auftritt hinlegen.“
In Deutschland, das weiß Megger, ist da noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Dick und schick?
Dazu gehört zunächst einmal, dass sich Frau mit ihrem Gewicht identifiziert und sich selbst eben nicht unter der Rubrik „Übergröße“ abstempeln lässt, wie es in der bunten Modewelt noch immer üblich ist.
Doch was nützt jeder Selbstfindungsprozess, wenn Frau dann auf kein entsprechendes Angebot in der Einkaufsszene zurückgreifen kann?
Doris Megger stößt mit „Curves & Co“ deshalb in eine Lücke, für Luxus, Business und Alltag gleichermaßen.
Sie könnte sich gut vorstellen, demnächst mit einem Franchisekonzept zu expandieren. Demnächst, denn: „Ich gehe das ganz langsam an.“



















