Betreten für unter 60-Jährige verboten: Berlin und München planen Seniorenspielplätze
zuletzt aktualisiert: 26.03.2007 - 10:12München (RPO). Damit das Rentnerdasein auf Dauer nicht zu langweilig wird, haben sich München, Berlin und Nürnberg jetzt etwas ganz besonderes einfallen lassen: Sie wollen Seniorenspielplätze einrichten. Protest dagegen kommt ausgerechnet von der Seniorenpartei "Die Grauen".
Mit 80 Jahren noch einmal wie mit acht fühlen? Die Beine beim Schaukeln in die Luft werfen und beim Wippen vor Freude lachen? In mehreren deutschen Städten überlegen Kommunalpolitiker, ob sie Senioren das ermöglichen können. Seniorenspielplätze heißt die Idee.
Auf die wachsende Zahl alter Menschen in Deutschland soll in Nürnberg, Berlin und München mit neuen öffentlichen Plätzen reagiert werden, die Spaß machen. Doch der Vorschlag stößt nicht nur auf Zustimmung. Gerade die Alten selbst fühlen sich vor den Kopf gestoßen. "Seniorenspielplatz - schon der Name ist doch völlig daneben", sagt etwa Norbert Raeder, Landeschef der Seniorenpartei Die Grauen in Berlin.
Angestoßen hat die Debatte der Nürnberger Bürgermeister Horst Förther. Der SPD-Mann hatte bei einer Landschaftsarchitektin die Überlegung aufgeschnappt, auf Freigeländen Platz für generationenübergreifenden Sport zu schaffen. Förther spitzte den Gedanken zu und formulierte seinen Vorschlag vom Seniorenspielplatz. In Nürnberg warb Förther damit bei den Alten und in den Ausschüssen des Stadtrats. Mit gemischtem Erfolg: Die Idee, ein spezielles Angebot für die reiferen Semester zu machen, fanden die meisten gut. Nur der Begriff stößt auf Widerstand. "Wir haben eine Umfrage gemacht. Und danach wollen die Alten das Wort Seniorenspielplatz nicht haben, das hat für sie so einen infantilen Einschlag."
Name noch nicht beschlossen
Was bei Förther "Seniorenspielplatz" heißt, soll in der fränkischen Metropole aber dennoch gebaut werden - nur unter einem anderen, noch nicht beschlossenen Namen. Auch die genaue Gestaltung steht noch nicht fest. Auf jeden Fall sollen verschiedene Geräte aufgebaut werden, auf denen die Senioren sich muskelschonend und mit Freude bewegen können. "Langsam und rhythmisch, damit es den Körper altersgemäß trainiert, aber nicht belastet."
Nachdem seine Vorschläge bekannt wurden, gingen im Nürnberger Rathaus aus zahlreichen Ländern Angebote für Geräte ein - darunter neben Deutschland auch aus China und Japan. Am 20. April will Förther dem Stadtrat die mögliche Gestaltung vorstellen. Und da es mit einem Krankenhaus, einem privaten Wohnungsträger und einer Firma auch schon Sponsoren gibt, wird das Stadtsäckel nicht belastet. "Deshalb hoffe ich, dass wir noch dieses Jahr eröffnen können."
Womöglich wird auch eine Schaukel auf dem Nürnberger Seniorenspielplatz, der nicht so heißen darf, stehen: Mehrere Alte haben den Bürgermeister darum gebeten - auf dem Kinderspielplatz trauen sie sich nicht. Da hat die Berlinerin Barbara Becker weniger Berührungsängste. "Ich selbst benutze liebend gern die Schaukeln und Wippen auf Kinderspielplätzen, wenn gerade keine Kinder anwesend sind", schrieb die 85-Jährige vor ein paar Tagen in einem Leserbrief an die "Berliner Morgenpost". Ihr sei es "völlig egal, was andere Leute von mir denken: Ich habe Spaß."
"Bewegungsangebote ohne Ende"
Die offensichtlich noch sehr rüstige Frau Becker empörte sich in ihrem Brief über die Berliner Diskussion, die dort gerade über Seniorenspielplätze läuft. Denn ausgerechnet die als Interessensvertretung der Alten auftretenden Grauen Panther gehen gegen die Idee auf die Barrikaden. "Ein älterer Herr auf dem Klettergerüst oder eine alte Dame auf der Schaukel - das passt nicht", mokiert sich deren Landeschef Raeder. Die Vorschläge in Nürnberg, Berlin oder auch in München, wo die in der Opposition sitzende CSU im gesamten Stadtgebiet entsprechende Anlagen fordert, hält er für "Quatsch". "Wir wollen die Senioren doch nicht wieder in die Kindheit bringen."
Raeder fordert, statt Geld für "Seniorenspielplätze" auszugeben lieber bestehende Parkanlagen in Schuss zu bringen. "Nicht das ich falsch verstanden werde: Bewegung für Alte ist eine klasse Sache", sagt der selbst erst End-Dreißigjährige. Aber statt Rutschen würden sich die Senioren lieber wünschen, dass Parkbänke nicht beschmiert oder zerstört wären. Und außerdem gebe es bereits "Bewegungsangebote ohne Ende" für Ältere.
Trotzdem sollen zumindest in den Berliner Stadtteilen Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln für die "Generation 60 plus" Spielplätze entstehen. Baustadtrat Thomas Blessing (SPD) meldete in der "Morgenpost" allerdings eine Voraussetzung an: Das Areal müsse in jedem Fall gut einsehbar sein, "falls ein Senior mal zusammenbricht".























