erstellt am:  17.10.2003
URL: www.ngz-online.de/gesellschaft/medien/Wie-entstehen-eigentlich-Witze_aid_23597.html

"Kommt ein Mann zum Arzt..."

Wie entstehen eigentlich Witze?

zuletzt aktualisiert: 17.10.2003 - 07:35

Düsseldorf (rpo). "Kommt ein Mann zum Arzt..." So oder so ähnlich fangen viele Witze an. Wer denkt sich eigentlich die überraschenden Wendungen und Pointen aus, die am Ende einen gelungenen Witz ausmachen? Es sind längst nicht nur Gagexperten, die sich Witze für Harald Schmidt oder Stefan Raab ausdenken. 

Ein Ehepaar kommt zum Arzt. "Ihr Mann gefällt mir aber gar nicht", sagt der Arzt kopfschüttelnd. "Mir gefällt er ja auch nicht", erwidert die Frau, "aber die Kinder hängen so an ihm." Auf der Internetseite des deutschen Buchhandels sind zur Zeit 2107 Bücher zum Thema Humor und Witze gelistet. Wer beim Internet-Buchhandel Amazon den Suchbegriff Humor eingibt, der kann zwischen 13 421 Treffern auswählen. Aber wie entstehen eigentlich Witze? Wer denkt sich die überraschenden Wendungen und Pointen aus, die einen gelungenen Witz ausmachen?

"Es gibt natürlich Gagexperten, die sich Witze für Alleinunterhalter wie Harald Schmidt oder Stefan Raab einfallen lassen", erklärt Diplom-Psychologe Michael Titze, 1. Vorsitzender bei HumorCare Deutschland, einer Gesellschaft für Humor in Pflege, Therapie und Beratung. "Aber Gagschreiber modifizieren meistens nur bereits vorhandene Witze. Aus Kohl-Witzen werden Schröder-Witze und daraus wiederum Schwarzenegger-Witze", so Titze. Das wirkliche Phänomen seien spontan entstandene Pointen. "Am Stammtisch erzählt jemand eine lustige Geschichte. Dem Nächsten fällt hierzu eine überraschende Wendung ein. Solche Witze gehen vom Biertisch um die ganze Welt", berichtet der Humorexperte.

Rasend schnelle Verbreitung

"Witze verbreiten sich heute rasend schnell über das Internet. Ich lese oft Witze im Netz und einen Tag später höre und sehe ich sie im Fernsehen bei 7 Tage, 7 Köpfe", erzählt Thomas Holtbernd. Holtbernd ist Humortrainer und gibt Humor-Seminare in großen Unternehmen wie zum Beispiel Daimler-Chrysler. Sein neues Buch "Führungsfaktor Humor" soll noch in diesem Jahr erscheinen. "Die Witze sind heute weniger intellektuell und ernst als früher. Gerade in schlechteren Zeiten wollen die Leute einfach entspannen und lachen", weiß Holtbernd. Man brauche doch nur an den bekannten Spruch von Otto Julius Bierbaum zu denken: "Humor ist wenn man trotzdem lacht".

Am häufigsten lachen die Deutschen über Witze und Situationskomik. Dies gaben 28,4 Prozent aller Befragten bei einer Ipsos-Umfrage im Auftrag von "Du darfst" an. Es wurden 1000 Männer und Frauen zwischen 25 und 55 Jahren zum Thema Humor befragt. 46,8 Prozent der Männer lachen am Liebsten mit ihrer Partnerin, 28,8 Prozent der Frauen am Liebsten mit dem Partner. Mehr als 60 Prozent der Befragten meinten, dass Menschen, die häufig lachen, gesünder bleiben.

Lachen fördert die Durchblutung

Diese Einschätzung kann Michael Titze nur bestätigen: "Lachen fördert unter anderem Atmung und Durchblutung, Muskelverspannungen werden abgebaut, die körpereigene Hormonproduktion wird gesteigert und die Immunabwehr gestärkt." Die therapeutische Wirkung des Lachens machen sich in Deutschland seit einigen Jahren auch so genannte Lachclubs zu Nutze. Sie gehen nach der Methode von Arzt und Yoga-Lehrer Dr. Madan Katharia vor, der 1995 in Indien den ersten Lachclub gründete. Mittlerweile gibt es in Deutschland vierzig Lachclubs.

Wie man Leute auch ohne Club zum Lachen bringt, weiß Dieter Thoma. Der Kabarettist hat auf der Frankfurter Buchmesse zusammen mit Entertainer Chris Howland und Autor Peter Jamin das neue Witze-Buch "Kennen sie den? Die Lieblingswitze der Deutschen" vorgestellt. "Ein Witz sollte kurz und verständlich sein. Außerdem ist ein aktueller Zeitbezug wichtig, historische Witze kann man vergessen." Thoma glaubt außerdem, dass die Pointen sich oft ähneln. "Aber es ist doch schön, dass man die Leute mit dem gleichen Witz immer wieder erfreuen kann." Wem das alles zu kompliziert ist: Es gib ja auch noch die pointenfreien Anti-Witze. Kommt ein Blinder in einen Fischladen und grüßt freundlich: "Na, ihr Süßen!"

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Quelle: RP ONLINE

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