Da ist sie, die Dame deines Herzens. Sie ist perfekt - bis auf die Tatsache, dass sie einen festen Freund hat. Und du fragst dich: "Was hat er, was ich nicht habe?" Dann verlässt er sie, und sie geht ins Kloster, will ihre ganze Liebe Gott widmen. Und wieder, etwas verhaltener jetzt: "Was hat er, was ich nicht habe? Solche und andere skurrile Probleme beschreibt der Klavier-Kabarett Bodo Wartke in seinem neuen Programm "Achillesverse".
Jetzt trat er damit im Lank-Latumer Forum Wasserturm auf. Mit teilweise von tief schwarzem Humor nur so triefenden Texten, verpackt in genial unpassend melodiösen Chansons, fesselte er das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute. Virtuos reimend hangelte sich der 25-Jährige von Zeile zu Zeile, nicht umsonst bezeichnet er sein Schaffen als Dichtkunst in "REIMkultur".
Er ließ das Publikum mit dem Vampir leiden, der all seine Liebhaberinnen beißen muss und so seit Jahrhunderten keinen Sex mehr gehabt hat. Und auch, dass eine Axt nicht nur zum Abschaffen der lästigen Ehefrau, sondern auch zum Holzhacken dient, wusste der Besucher spätestens nach dem Programm.
Doch Wartke wurde auch persönlich: Von seiner Vergesslichkeit berichtete er gleich dreimal am Abend ("Ich bin so grässlich - vergesslich") sowie von seinen Problemen beim Schreiben neuer Lieder: "Ich schreibe gerne über das, was mir wirklich passiert. Aber leider reimt sich so vieles nicht."
Auch seiner Leidenschaft Zugfahren brachte der Wahl-Berliner eine herrlich ironische Lobhudelei dar: "Schön, dass es in unserer schnelllebigen Zeit noch so etwas wie die Deutsche Bahn gibt." Vor allen anderen Themen stand jedoch bei Wartke eins: die Liebe. "Das Schöne am Liebeslieder-Schreiben ist, dass, wenn die Liebe geht, die Lieder bleiben."
Doch Liebeslied ist nicht gleich Liebeslied, lernten die Zuschauer im fast ausverkauften Forum Wasserturm. Man müsse zwischen vier Kategorien unterscheiden, vom "Ich-will-dich-zurück"- bis hin zum "Ich-liebe-dich-nicht-mehr-sondern-hasse-dich-jetzt-Lied". Zur Veranschaulichung der einzelnen Kategorien (mit Unterkategorien!) gab es dann Liedbeispiele.
Da konnte es vorkommen, dass sich der Liebhaber in einer Hommage an Schillers Bürgschaft mit dem Prüfer von der GEZ (Gebühreneinzugszentrale) verbündet, um den eigentlichen Freund außer Gefecht zu setzen, und auch dass Wartke immer mehr von sich preisgibt: "Von den Liebesthemen, über die ich singe, habe ich die meisten schon erlebt - leider."
Zuletzt gab es eine zehnminütige Zugabe sowie die Erklärung des Programmtitels "Achillesverse": Es geht um wunde Punkte, die uns manchmal sehr weh tun. Aber mach" ein Lied daraus, und es ist gleich nicht mehr so schlimm." Was nach der Vorstellung bleibt, ist die Erinnerung an einer wunderbar kurzweiligen Abend.
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