Neuss Mundpropaganda wirkt noch am besten. Zumindest bei Jugendlichen um die 20. Wenn sie ein Kulturveranstaltung besuchen, dann in der Regel, weil Freunde und Bekannte sie darauf aufmerksam gemacht haben. Aber diese müssen irgendwie ja von dem Termin erfahrten haben, und so erklärt es sich vielleicht auch, dass ebenso Flyer und Plakate wichtige Informationsquellen für Jugendlich sind.
„Neuss fragt dich!“ hat das Kulturamt seine Befragung genannt, die eine der Nachfolgeaktionen aus der Studie „Jugend und Kultur in Neuss“ ist und an rund 1000 Jugendlichen gerichtet war, von denen insgesamt 276 geantwortet haben: Das Männer/Frauen-Verhältnis hält sich dabei mit 50:50 exakt die Waage.
Die meisten der befragten Schüler sind Gymnasiasten, vier besuchen die Hauptschule, 13 die Realschule und 34 der 276 sind Studenten. Die Umfrage war indes nicht auf eine rein zahlenmäßige Erhebung aus, sondern wollte von den Jugendlichen auch persönliche Meinungen hören. Etwa zum Kulturbegriff an sich: Was verstehen die Jugendlichen darunter?
Die Antworten reichen von kurzen knappen wie „Theater, Oper, Konzerte, Ausstellungen, Museen“ und „Die Alternative zur schnell verbrauchten Populärkultur“ über gedankenvolle wie „ein Konzert, ein tiefgehendes Gespräch, ein netter Abend mit coolen Leuten; Kultur ist all das, was den Menschen in seinem Denken, Verhalten und Tun beeinflusst“ bis hin zu wortreich formulierten: „Kultur umfasst alles, was der Mensch je schuf.
Selbst die Art, wie Menschen zusammenleben ist Kultur. So spricht man ja auch von Kulturkreisen, die unterschiedliche Arten der Lebensphilosophie verfolgen oder einfach eine andere Sprache haben. Zur Kultur gehört auch die Gesellschaftsordnung. Sprache, Religion, Wirtschaft, der Umgang mit der Natur, Musik, Literatur und Tradition sind die Schlagworte, wenn ich an Kultur denke! Alles, was der Mensch sich erdachte, mit seinen Händen formte, und vor allem mit der Phantasie.“
Doch eine „häufig Definition der Kultur“, so hält das Kulturamt in seiner Auswertung fest, bezieht sich auf Konzerte und Musik - was auch von den Zahlen zu den Interessensgebieten der Jugendlichen gestützt wird: Kino und Filme (69 Prozent), Rockmusik (62 Prozent) und Party (51 Prozent) stehen obenan; zwölf Prozent interessieren sich für Oper und klassische Konzerte. Die Termine erfahren 77 Prozent über den Bekanntenkreis, 63 Prozent reagieren zudem auf Flyer und Plakate und jeweils 32 Prozent gaben als Informationsquelle die NGZ und Radio NE-WS 89.4 an.
Den größten Bekanntheitsgrad unter den Neusser Kultureinrichtungen genießt bei den Jugendlichen folgerichtig auch das Geschwister-Scholl-Haus (85 Prozent), dem zudem unter anderem attestiert wird: „Es finden ständig gute Konzerte statt.“ An zweiter Stelle kommt die Stadtbibliothek (84 Prozent), dann das Haus der Jugend (82 Prozent), das Rheinische Landestheater (81 Prozent), die Musikkneipen Further Hof (76 Prozent), Café Wunderbar und Okie Dokie (beide 71 Prozent), die Alte Post (70 Prozent) und das Clemens-Sels-Museum (68 Prozent).
Dass die Jugendlichen in Neuss aber keineswegs wunschlos zufrieden sind, machen folgende Antworten deutlich: „Ein 24-Stunden-Konzert wäre ein gutes Projekt“. Oder: „Ein von der Stadt organisiertes Festival (wäre) sehr schön.“ Grundsätzlich gehen die Anregungen dahin, Musik verstärkt zu fördern (auch mit Proberäumen), aber die Jugendlichen wünschen sich auch mehr Veranstaltungen im Museum.
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