Meerbusch Die CDU zieht die Notbremse: Die Union lässt die Sanierung des maroden Gebäudes fallen und wird nun doch für einen günstigeren Neubau stimmen. Verlierer ist der stellvertretende Bürgermeister Franz-Josef Radmacher (CDU).
Zwei Mal war es Franz-Josef Radmacher gelungen, die CDU-Fraktion auf seine Linie zu bringen und die Sanierung der Alten Schule zu fordern. Die Fakten lagen im März auf dem Tisch: Das Gebäude in Langst-Kierst ist völlig marode. Wer es erhalten will, muss 270 000 Euro Steuergeld mehr hinblättern als bei einem Neubau fällig würden. Mindestens.
Der ehemalige Studiendirektor aus Lank-Latum brachte die Union mit seinen polternden Auftritten trotzdem dazu, ihre absolute Mehrheit gegen die Empfehlung von CDU-Bürgermeister Dieter Spindler in Stellung zu bringen.
Der teure Erhalt wurde gegen den vehementen Protest der anderen Parteien durchgeboxt. Einwände von Vereinsvertretern ignorierten Radmacher und Ratskollege Uwe Wehrspohn geflissentlich und erwähnten sie im Ausschuss nicht einmal. Radmacher nahm statt dessen für sich in Anspruch, „für die Mehrheit der Langst-Kierster zu sprechen“.
Das alles löste im Dorf an der Rheinfähre einen bislang einmaligen Sturm der Entrüstung aus, der in einer Unterschriftenaktion mit 384 Teilnehmern gipfelte und der CDU eine „Rote Karte“ des Bundes der Steuerzahler einbrachte. Auch das WDR-Fernsehen berichtete von dem sich anbahnenden Skandal.
Doch die dritte Runde wird Radmacher morgen verlieren. Der von ihm inspirierte Versuch der CDU, die teure Sanierung durch Bauexperten auf das Preisniveau des günstigeren Neubaus herunterrechnen zu lassen, geriet für die Sanierungs-Forderer zum Bumerang.
„Je mehr man in die Bausubstanz guckte, desto teurer wurde es. So geht es eben nicht“, sagt CDU-Fraktionschef Werner Damblon. Außerdem habe sich herausgestellt, dass die Alte Schule etwas größer ist, als ursprünglich angenommen, was die Sanierungskosten weiter nach oben getrieben hätte.
Der anhaltende öffentliche Protest tat ein übriges. Es wurde sogar über ein mögliches Bürgerbegehren gemunkelt, wenn die CDU versucht hätte, sich die Mehrkosten im Rat genehmigen zu lassen.
Das Thema Alte Schule drohte, die Union wichtige Stimmen bei den anstehenden Wahlen zu kosten. Nun zieht die CDU kräftig die Notbremse.
In der CDU-Fraktionssitzung am Montagabend votierte die Mehrheit schließlich gegen Radmacher und für den Neubau-Plan der Spindler-Verwaltung.
Der Hauptausschuss dürfte also mit den Stimmen aller Parteien den Abriss des unscheinbaren Zweckbaus und die Errichtung eines modernen Neubaus beschließen. Das Gebäude würde von Bürgern und der Feuerwehr genützt werden, die auch noch - als Anbau - eine Garage erhält.
Radmacher bedauert die Entscheidung, für deren Zustandekommen vor allem die Presse verantwortlich sei: „Den Abriss von historischen Gebäuden werde ich nicht mittragen“. Es zieht konsequenzen, denn er kündigte an, bei der entscheidenden Sitzung nicht anwesend zu sein.
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