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Dichter Terminplan für Pfarrer in der Weihnachtszeit: Berufung - kein bisschen Stress

zuletzt aktualisiert: 22.12.2000 - 22:26

Von Ulrike Keller-Hümbs

Verstopfte Innenstädte, volle Geschäfte, überlaufene Weihnachtsmärkte: Der Weihnachtsstress nimmt von Adventssonntag zu Adventssonntag immer größere Ausmaße an. Warum eigentlich? Die Adventszeit ist die Zeit der Besinnung, der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Und doch hetzen die meisten Menschen von Termin zu Termin, kaufen Geschenke und finden keine Gelegenheit zur Muße. Trotz einem übervollen Terminkalender empfindet er die Weihnachtszeit nicht als Stress: Erich Evertz, Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus in Osterath. NGZ-Fotos: H. Jazyk

"Schade, dass die Bedeutung der Adventszeit so wenig im Bewusstsein der Menschen verankert ist", findet Erich Evertz, Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus in Osterath. Diese Wochen sollen der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest dienen und die Menschen zur Ruhe bringen. Evertz selbst, der auch in dieser Zeit viel zu tun hat, weist die Bezeichnung "Stress" vehement zurück. "Ich habe viel Arbeit, empfinde diese Arbeit aber nicht als Stress, sondern habe viel Freude daran."

Sein Amt vergleicht er mit einem Haushalt, der vernünftig zu führen ist: "In Zeiten, die etwas turbulenter sind, muss man Prioritäten setzen. Es gibt genug Dinge, die auch später erledigt werden können." Für sich und seine Mitarbeiter hat Evertz eine praktikable Lösung gefunden: "Wir tagen das ganze Jahr über, während der Adventszeit finden bei uns keine Besprechungen und Sitzungen statt. Das hat Zeit bis zum Januar. Wir gewinnen dadurch Freiräume, die wir anders nutzen können."

Sozial schwache Familien, Alleinstehende und Senioren werden besucht. Sie erhalten kleine Geschenke und die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch. Diese Besuche machen Pfarrer Evertz und zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen. Vor 33 Jahren wurde er zum Priester geweiht und kam 1980 als Pastor in der Gemeinde St. Nikolaus. Bis vor sechs Jahren stand ihm ein Kaplan zur Seite, um die 6.500 Katholiken seiner relativ großen Gemeinde zu betreuen. Seit 1994 ist er der einzige Priester der Osterather Katholiken. Trotz zahlreicher haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter bleiben daher viele Aufgaben ihm selbst vorbehalten. In der Weihnachtszeit finden noch mehr Messen als sonst statt. Allein für die Zeit vom 24. bis zum 26. Dezember hat der Geistliche acht verschiedene Gottesdienste mit fünf inhaltlich unterschiedlichen Predigten vorbereitet.

Vom allgemeinen Trubel lässt sich Evertz nicht anstecken. "St. Nikolaus ist eine sehr lebendige Gemeinde mit vielen Gremien, Arbeitskreisen und Gruppen, die sich in der Adventszeit zusammen setzen und feiern. Ich persönlich feiere Weihnachten nur an den Weihnachtstagen und halte es nicht für nötig, dass bei allen Weihnachts- und Adventsfeiern ein Priester anwesend sein muss." Weniger als früher wird heute die Abnahme der Beichte gewünscht. "Das Bußsakrament befindet sich von der Akzeptanz her in einer Krise", bedauert der Geistliche, "gemeinschaftliche Bußgottesdienste werden jedoch noch angenommen". Die klassische Beichte im Beichtstuhl weiche mehr und mehr einem persönlichen Beichtgespräch in anderer Umgebung.

Auch die Vorweihnachtszeit inspiriert nicht mehr Gläubige als sonst zur Beichte. Unabhängig von den hohen kirchlichen Festtagen und den damit verbundenen Vorbereitungen haben Pfarrer Aufgaben, die kurzfristig Platz im Terminkalender finden müssen. Allein in dieser Woche finden in seiner Gemeinde vier Beerdigungen statt; bei jedem Todesfall rechnet Evertz fünf bis sechs Stunden Zeit für Gespräche mit den Angehörigen, Vorbereitungen für die Trauerfeier und die Beerdigung. Und doch findet er den Freiraum, den er für sich persönlich in dieser Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten benötigt. Für ihn beginnt der Heiligabend mit einem Krabbelgottesdienst um 9.30 Uhr und endet mit der Christmette: Dr. Georg Eichholz, Pfarrer der Evangelischen Kirschengemeinde in Lank. Er spricht von Berufung, nicht von Stress.

Dr. Georg Eichholz, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Meerbusch-Lank, konnte vor zwei Wochen seine 25-jährige Ordination feiern. Seit 1986 ist er Pfarrer in Lank. Von 1980 bis 1986 lebte er mit seiner Frau, die ebenfalls Pastorin ist, in Paris, wo er die deutsche Auslandsgemeinde mit etwa 500 Familien betreute. Zeitgleich war er zuständig für eine kleine Gemeinde in Nordfrankreich.

Eine Ausstellung in der Kirche an der Nierster Straße gab anlässlich seines Ordinationsjubiläums einen Überblick über seinen Werdegang und das Leben in seiner Gemeinde während der zurückliegenden Jahre. Zur evangelischen Kirchengemeinde Lank gehören auch die Rhein-Gemeinden; einen zweiten Pfarrbezirk bilden Strümp und Ossum-Bösinghoven. Mit etwa 3.000 Mitgliedern ist die Gemeinde überschaubar. Pfarrer Dr. Eichholz erfährt Unterstützung durch zurzeit zwei Sonderdienstler, seine Frau, die als Schulpfarrerin in Krefeld arbeitet, und viele haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter.

Und doch ist sein Terminkalender während der Adventszeit und der Weihnachtstage gut gefüllt. "In der Gemeinde gibt es viele Gruppen wie zum Beispiel die Frauenhilfe, der Frauenabendkreis und der Altenklub, die zu ihren Adventsfeiern einladen und sich freuen, wenn ich daran teilnehmen kann. Meine Mitarbeiter und auch meine Frau unterstützen mich auch bei den Vorbereitungen für die Weihnachtsgottesdienste; da ist schon mehr zu tun als außerhalb der Weihnachtszeit."

An Heiligabend beginnt sein Arbeitstag bereits um 9.30 Uhr mit einem Krabbelgottesdienst in der Kreuzkirche. Den Familiengottesdienst um 16 Uhr übernimmt Pastorin Gabernig, die Christvesper um 18 Uhr hat Eichholz schon vorbereitet. Mit der Christmette um 23 Uhr endet dann ein langer Tag. Gestresst fühlt er sich jedoch nicht, sein Beruf ist Berufung. Dazu gehört auch die Beteiligung an der Notfallseelsorge in Meerbusch, die ökumenisch organisiert ist. Etwa alle zehn Wochen übernimmt Pfarrer Eichholz das "Notfall-Handy", immer darauf angewiesen, dass ihn zum Beispiel in Gottesdiensten jemand vertreten kann, wenn er kurzfristig Beistand leisten muss. "Mir macht meine Aufgabe sehr viel Freude, sie unterscheidet sich in der Advents- und Weihnachtszeit nicht so sehr vom Rest des Jahres", erläutert der Lanker Pfarrer. Mit der Konzentration auf das Wesentliche finden die Pfarrer auch für sich die innere Ruhe, um sich auf das Fest einzustimmen.

Quelle: NGZ


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