Rhein-Kreis-Neuss/Alindao Eine steinerne Hütte mit einer kleinen Küche, einem Schlafzimmer, Gäste- und Besprechungszimmer, mehr nicht. Die „Residenz“ des Bischofs von Alindoa in der Zentralafrikanischen Republik hebt sich in ihrer Bescheidenheit und Kargheit nicht groß von den einfachen Behausungen der Bevölkerung ab. Hier, inmitten seiner in größter Armut lebenden Schutzbefohlenen, wohnt der in Neuss aufgewachsene Knechtstedener Spiritanerpater Peter Marzinkowski, erster Oberhirte der 2005 gegründeten Diözese Alindao.
Halb so groß wie NRW
Die Diözese Alindao/Zentralafrika ist halb so groß wie Nordrhein-Westfalen und hat rund 204 000 Einwohner.
„In der ganzen Umgebung fehlt es an allem“, sagt er. Strom, Wasser, Telefon, Straßen - nichts ist selbstverständlich. „Die Zentralafrikanische Republik gehört zu den ärmsten Ländern der Erde, der Regierungsbezirk der Diözese Alindao ist vergessen“, berichtet der 1939 im schlesischen Liegnitz geborene Bischof. Vom Staat haben die Menschen nichts zu erwarten, Gesundheits- und Erziehungswesen, liegen darnieder. „Die Menschen hier setzen ihre Hoffnung voll und ganz auf kirchliche Initiativen.“
Eines der Projekte, die Peter Marzinkowski, der 1966 in Köln zum Priester geweiht wurde, angestoßen hat, ist die Wiedererrichtung eines Rehabilitationszentrums für behinderte Kinder.
Tatkräftige Unterstützung leistet dabei die aus Freiburg stammende Physiotherapeutin Yvonne Hergert, die 2004/05 durch Vermittlung der Spiritaner zunächst als Missionarin auf Zeit nach Alindao kam, Ende Januar 2006 aber wieder dorthin zurückgekehrt ist, um für weitere zwei Jahre Aufbauhilfe zu leisten.
Aufgrund politischer Unruhen hatten im Jahre 2002 die Missionsschwestern, die für das Rehazentrum Sorge trugen, das Land verlassen müssen; nur mühsam und unter großen Entbehrungen konnte das Haus weitergeführt werden. 2005 wurde ein Neuanfang gewagt.
Zurzeit werden 40 bis 45 Kinder regelmäßig betreut. Sie leiden an den Folgen von Kinderlähmung oder durch Unterernährung verursachten Knochenmarkschwund. Andere plagen sich mit genetisch bedingten Erbkrankheiten. Ein Beispiel: Der elfjährige Jean-Bosco ist an Beinen und Rumpf gelähmt; mit Achselstützen und speziellen Gehhilfen bewegt er sich im und ums Haus mehr schlecht als recht.
Yvonne Hergert kennt die Not, weiß aber auch um Erfolge, schon mit geringen Mitteln den Kindern neue Zuversicht zu geben. Sie spürt die tiefe Dankbarkeit, den unerschütterlichen Willen der Mädchen und Jungen, ihr schweres Schicksal meistern zu wollen.
Hergert kümmert sich nicht nur um die Leitung des Rehazentrums, sie lernt auch weitere Therapiekräfte an - besonders in weitab gelegenen Dörfern, damit auch dort eine gewisse Versorgung künftig gewährleistet ist.
Der Mangel ist dabei ein stetiger Begleiter ihrer Arbeit: Es fehlen Lagerungsmatten und -bänke, ein Stehbrett, Gehhilfen, Prothesen, Übungsgeräte. Ziel ist es auch, eine Orthopädie-Mechanikerwerkstatt zu bauen und mit Werkzeugen und entsprechenden Maschinen zur Holzverarbeitung einzurichten.
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