Meerbusch Corpus Sireo als Eigentümer der früheren Böhler-Werkssiedlung im Büderich Süden möchte die 879 Wohnungen und Einfamilienhäu-ser im Paket verkaufen. „Die Verhandlungen laufen“, sagt Angelika Mielke-Westerlage, Erste Beigeordnete der Stadt. Die Kommune sei in der Angelegenheit mit im Boot, weil sie für viele Wohnungen ein Vorschlags- oder Mitspracherecht bei der Vermietung habe.
Auf Einladung des SPD-Ortsver- eins informierten Mielke-Westerlage, Vertreter des Eigentümers und ein Fachmann des Deutschen Mieterbundes, in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt am Kapittelsbusch über den Stand der Dinge. Einen Verkauf an verschiedene Interessenten habe Corpus Sireo in der Vergangenheit abgelehnt, berichtet Mielke-Westerlage.
Der Bauverein Meerbusch sei bereit gewesen, 100 Wohnungen an der Hoxdelle zu übernehmen, um dort seinen erheblichen Bestand zu erweitern. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft des Kreises Viersen habe ebenfalls 100 Wohnungen kaufen wollen, informiert die Erste Beigeordnete.
Sozialcharta im Grundbuch
Erst seit kurzem sei eine so ge- nannte Sozialcharta im Grundbuch eingetragen. Mit diesem verbrief- ten Recht garantiert der Eigentü- mer, dass alle Mieter, die vor 1996 ihren Vertrag abgeschlossen haben, zu besonders günstigen Konditionen dort wohnen bleiben dürfen.
Bis ins Jahr 2021 könne sich an den Bedingungen im Wesentlichen nichts ändern, erklärt Mielke-Westerlage. Diese Regelung gilt für 424 Wohnungen. Für weitere 404 Wohnungen bestehe eine Sozialbindung, die sich daraus herleitet, dass der Bauherr damals öffentliche Zuschüsse für die Errichtung von preisgünstigen Mietwohnungen bekommen hat.
In der Praxis sieht das so aus, dass die Mieter dort zum Teil nur 3,84 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter für ihre Wohnung zahlen. Für die Flächen, die der Sozialcharta unterliegen, beträgt die Höchstmiete 4,87 Euro pro Quadratmeter. „Man darf es offen aussprechen, das ist natürlich ein Verkaufshemmnis“, sagt Mielke-Westerlage. Es gelte nun einen Interessenten zu finden, der „mit viel Liebe, an die Siedlung herangeht“.
Ein gesunder Mieter-Mix sei wünschenswert. „Wir werden uns mit einem potenziellen Käufer an einen Tisch setzen, um ihm auch wirtschaftliche Perspektiven aufzuzeigen“, verspricht die Erste Beigeordnete. Dazu zählt unter anderem, zu klären, ob, wo und in welchem Umfang die Freiflächen im Büdericher Süden noch zu bebauen wären.
Mielke-Westerlage schaut noch aus einem weiteren Grund beson- ders auf die Entwicklung in der Böhlersiedlung.
Stadt betreibt Familienzentrum
Die Stadt Meerbusch betreibt dort auf einer Fläche von 100 Quadratmetern das erste Meerbuscher Familienzentrum. Dort existieren insgesamt sechs verschiedene Gruppen. Die vielen Kinder, die dort umsorgt werden, sind unterschiedlicher Herkunft.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.