Hombroich In 20 Jahren ist der Kulturraum Hombroich - seit einigen Jahren neben der Museumsinsel auch mit der Raketenstation - zu einem Zentrum für zeitgenössische Musik geworden.
Konzerte
Das Festival geht heute mit zwei Konzerten weiter: Um 17 Uhr spielen Gregorio Nardi (Klavier) und Camilla Hoitenga (Flöte) ein Werk von Ives in der Scheune; um 20 Uhr das Trio Mediæval die Messe de Tournai in der Veranstaltungshalle. Morgen stehen drei Konzerte auf dem Programm.
Das zeigt sich besonders deutlich bei dem im Zwie-Jahres-Rhythmus stattfindenden Inselfestival, das nunmehr zum 11. Mal veranstaltet wird. Ungezählte Uraufführungen hat es auf der Insel gegeben, immer wieder hat das Festival neue Überraschungen zum Teil sehr junger Komponisten präsentiert.
Am ersten Tag des diesjährigen Festivals gelangte „Panta rhei“ für 13 Streicher des 1954 geborenen Thomas Bruttger zur Uraufführung. Der griechischen Allegorie des Titels „Alles fließt“ folgend bearbeitet der Komponist das Prinzip ständiger Wandlung zunächst in Glissando-Bewegungen aller Stimmen, denen als Gegenpol ein fast statischer Block massiver Akkorde und fast brutaler Rhythmik entgegengesetzt ist. Diese Polarität unterliegt ständigen Veränderungen.
Das Hamburger Ensemble Resonanz, seit mehr als einem Jahrzehnt eines der führenden innovativen deutschen Streicherensembles, hatte trotz des extrem präzisen Dirigats von Roland Kluttig das komplexe Werk in seiner Gänze noch nicht verinnerlicht. Der anwesende Komponist war über die Interpretation der Erstaufführung hingegen glücklich: „Uraufführungen sind immer gefährlich, das Ensemble hat sehr gut gespielt.“
Mit einem Streicher weniger kommt der in Hombroich lebende Komponist Christoph Staude in seinem „Doppelporträt im Gegenlicht“ für zwölf Streicher aus. Nach einem kräftigen Eröffnungsakkord changiert die Klanglandschaft ständig zwischen sattem Streichersound und geradezu lyrischen Passagen weniger Streicher, die den Hörer einer permanenten Spannung aussetzen. Im kaum noch wahrnehmbaren Gegenlicht verlöscht der Klang.
Zu den positiven Überraschungen zählte auch die „Synapse für 10 Streicher“, eine Arbeit der Japanerin Kumiko Omura, die mit detaillierten Anweisungen den ganzen Aufführungsraum in die Klangwirkungen mit koloristischen Raffinessen und Geräuschen einbezieht.
Auch diese Komposition war beim Ensemble Resonanz und seinem höchst kompetenten Leiter Roland Kluttig in besten Händen. Das junge Hamburger Ensemble versteht auch die Interpretation alter Musik ganz vorzüglich. So erklangen - auch zur Erholung der Zuhörer - zwei der wunderbaren „Concerti armonici“ des spätbarocken Niederländers Unico Wilhelm van Wassenaer.
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