Von Helga Bittner
Das Rheinische Landestheater eröffnet die neue Spielzeit mit einer Uraufführung von Michael Frowin und Martin Maier-Bode: Die „ Frauen für Napoleon “ bescherten dem begeistert applaudierenden Publikum einen kurzweiligen Abend.
Spätestens seit die Geschwister Pfister vor zehn Jahren in der Berliner „Bar jeder Vernunft“ mit einer liebevoll-ironischen Inszenierung von Ralph Benatzkys „Im Weißen Rössl“ und unter Mithilfe von Theatergrößen wie Otto Sander, Walter Schmidinger und Gerd Wameling bewiesen haben, dass auch Operetten das Zeug zum Kult besitzen, muss einem nicht unbedingt bange sein, wenn ein Theater ein Stück des eigentlich längst totgesagten Genres und mit Musik aus der Feder eben dieses Komponisten ankündigt. Schon gar nicht, wenn der Text von zwei Autoren stammt, die als Kabarettisten einen Namen haben.
Michael Frowin und Martin Maier-Bode haben um ein Gerüst von Benatzky-Melodien (aus dessen Nachlass und ohne Verbindung zu einem Stück) eine Geschichte gestrickt, die ähnlich einst in Österreich passiert ist, aber für die Uraufführung das Kolorit ihres Ortes bekam: „Frauen für Napoleon“ spielt mindestens am Niederrhein, genau betrachtet sogar in Neuss - wo das Rheinische Landestheater steht, das mit dem Stück die neue Spielzeit einläutet.
Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: Bürgermeister Sievenich verdonnert seinen dichtenden Sohn Johann, als Rekrut in Napoleons Armee einzutreten, und verlangt von seiner renitenten Tochter Johanna im gleichen Atemzug, den französischen Kanalbauer Denoel zu heiraten.
Operettenseligkeit pur
Beide Kinder weigern sich, und Johanna kommt auf die Idee, als Johann in die Armee einzutreten, während sich ihr Bruder versteckt hält ... Bis zum Happy End kommt es dabei zu allerhand Verwicklungen, die von reichlich Musik begleitet wird, die sich nicht wesentlich von der aus dem „Weißen Rössl“ unterscheidet, aber sehr gut live gespielt wird (Jochen Hartmann-Hilter, Klavier, Maurice Maurer, Geige, Miroslaw Tybora, Akkordeon).
Auf den ersten Blick also Operettenseligkeit pur, aber die sprachliche Umsetzung von Frowin/Maier-Bode, die bühnenmäßige von Oberspielleiterin Sylvia Richter und das nüchterne, eher befremdliche Bühnenbild von Peter N. Schultze mit seinen kahlen Spuntwänden lassen dem Schmalz keine Chance.
Die Textvorlage (inklusive der Lieder) besteht aus einer Mischung aus sprachlichen Finessen und simplen Kalauern, manchmal voller Aberwitz, manchmal ein bisschen fad; die Inszenierung stellt sich ganz in deren Dienst, spitzt manches gar trefflich zu und versucht sinnvollerweise gar nicht erst, aus den Figuren mehr zu machen als sie sind: Sketchpartner, die für kurzweilige zweieinhalb Stunden sorgen.
Charakterliche Tiefen sind nicht vorgesehen, und so agieren auch die Schauspieler an der Oberfläche - aber das sehr überzeugend und mit sichtbarem Spaß an ihren Rollen. Ralph Benatzky soll sich für seine Operetten singende Schauspieler gewünscht haben - im RLT hätte er sie gefunden. Denn das elfköpfigen Ensemble schafft es ausnahmslos, die Lieder wie unverzichtbare Bestandteile des Stücks erscheinen zu lassen. Nächste Aufführungen: 13. und 18. September, 20 Uhr, Kartentelefon 0 21 31 / 26 99 33.
INFO: Ralph Benatzky Der 1884 geborene Komponist ist ein promovierter Musiker, der seinen ersten Operettenerfolg 1913 mit „Liebe im Schnee“ hatte. Er starb 1957 in Zürich und ist in St. Wolfgang, wo er sein bekanntestes Stück „Im Weißen Rössl“ angesiedelt hatte, begraben.
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