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Tatjana Auster:: Die Stimme zum Klingelton

zuletzt aktualisiert: 07.01.2005 - 22:37

Die 32-jährige Tatjana Auster schreibt Gedichte, Geschichten und Romane, hat immer wieder einen kurzen Auftritt in einer TV-Serie und wirbt für Handy-Melodien.

Das erste Gedicht war es nun gewiss nicht, das im Kopf und auf dem Papier von Tatjana Auster entstanden ist. „Aber das erste, das ein richtig greifbares Ergebnis gebracht hat“, sagt sie lachend.

Für jeden außerhalb ihres Weckhovener Hauses schwarz auf weiß sichtbar, denn „Tagewerk“ ist Bestandteil einer Anthologie, die jetzt auch im Buchhandel zu bekommen ist; für sie selbst jedoch vor allem in der Erinnerung verankert, denn die Zeilen zum Oberthema „Vieles kann der Mensch entbehren, nur den Menschen nicht“ von Ludwig Börne haben der jungen Frau den zweiten Preis beim Sangerhauser Literaturwettbewerb eingebracht, „und da gab’s eine Ehrung mit allem Drum und Dran“.

Zwei Tage waren sie und ihr Mann Michael Gäste der „Berg- und Rosenstadt“ (so die Stadtwerbung), wurden herumgeführt und haben genossen, dass sie dabei auch ein wenig verwöhnt wurden. Und natürlich ist Tatjana Auster auch stolz, dass sie es so weit geschafft hat. Sie schreibe, seit sie zwölf Jahre alt sei; sagt sie, habe viele ihrer Gedichte und Prosatexte schon bei Verlagen oder Wettbewerben eingereicht, „aber ohne Ende Absagen bekommen“.

Dass sie so frei, fast schon eher vergnügt von ihren Misserfolgen erzählen kann, hat sicher auch damit zu tun, dass sie nicht schreibt, um zu veröffentlichen, sondern weil sie nicht anders kann. Gedichte, Kurzgeschichten, Fantasy- und Kinderromane, Theaterstücke oder wie zurzeit aktuell ein Krimi - alles findet Austers Interesse, und wenn sie sie nicht selbst schreibt, liest sie die Werke großer Kollegen. „Lesen“, so sagt die stets vergnügt wirkende Frau plötzlich ganz ernst, „ist ein ganz wichtiger Teil meines Lebens“.

Zudem macht sie sich keine Illusionen darüber, dass es für unbekannte Namen schwer ist, sich auf einem heiß umkämpften Markt durchzusetzen. Doch kann sie wohl deswegen so locker damit umgehen, weil sie noch zwei andere Standbeine hat, die ihr einen sicheren Lebensunterhalt gewährleisten. Die 32-Jährige ist Schauspielerin und synchronisiert Werbetrailer.

Während ihrer fünfjährigen Schauspielausbildung an einer privaten Schauspielschule in Düsseldorf hat sie auch in Neuss viel gespielt: „Bei Serdar Somuncu, in der Alten Post, bei Opossum Comedy und als Statist im Rheinischen Landestheater.“

Aber nach Abschluss der Schule hat sie sofort mit Tonaufnahmen für Werbetrailer angefangen und mag heute nicht mehr davon lassen: „Wenn Sie im Fernsehen aufgefordert werden, sich diesen oder jenen Klingelton fürs Handy herunterzuladen, kommt das meistens von mit“, sagt sie lachend. Gibt flugs eine kleine Kostprobe, so dass es nicht schwer fällt zu glauben, wenn sie sagt: „Immer wenn’s locker und spaßig klingen soll, werde ich angefragt.“

Dafür sei allerdings viel „Klinken putzen“ nötig. Immer in die Studios zu fahren und Bewerbungen abzugeben, gehört für die in Weckhoven ausgewachsene junge Frau zum Arbeitsleben. „Und sehr viel in dieser Branche läuft über Beziehungen“, weiß sie.

Wenn sie einen Wunsch offen hätte, was würde sie am liebsten machen? „Fernsehfilme natürlich“, kommt es prompt, „am liebsten mit Dirk Bach“. Mit dem habe sie mal ein Interview während einer seiner Lesungen gemacht, „und er ist unglaublich nett und sympathisch“. Natürlich hat sie ihn mit Blick auf eine mögliche berufliche Zusammenarbeit angesprochen, „aber was kann er schon anders sagen als ’Rufen sie meine Agentin an!’“ erzählt sie nüchtern.

An Kameraerfahrung mangelt es Tatjana Auster, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich in der Blindenfürsorge mitarbeitet, gewiss nicht. Denn Kurzauftritte in Serien hat sie reichlich vorzuweisen. „Meistens Low Budget-Produktionen“, sagt sie, zählt Sendungen wie „Das Familiengericht tagt“, die Krimireihe „K21“ oder auch die Soap „Unter uns“ auf. „Aber die Arbeit macht mir wirklich Spaß“.

Für „Das Familiengericht tagt“ etwa ist sie als „Stand by“ verpflichtet, bekommt eine Rolle zugewiesen, „ für deren Text ich zehn Minuten habe“, um dann einzuspringen, wenn die eigentlich vorgesehene Darstellerin ausfällt. Und so kann es dann passieren, dass die schlanke Tatjana Auster hochschwanger vor dem TV-Gericht steht und sich bitter darüber beklagt, dass sie verlassen wurde... (am 31. Januar)

Quelle: NGZ


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