Von Anna Schnürch Prinzipiell unterscheidet sich Arnold nicht von seiner burschikosen Mutter. Sie verteidigt vehement das Wesen der Familie, den Wert einer langen Ehe, während er nur das Schwulsein akzeptiert. Dabei erlebt er selbiges nicht allein im Schlafzimmer: Homosexualität ist eine Lebensform, mehr als bloße sexuelle Orientierung.
Die Premiere des rasanten Stückes „Das Kuckucksei“ von Harvey Fierstein wurde vom sehr gemischten Publikum des Theaters am Schlachthof einstimmig als gelungen beurteilt. Dabei fiel ein großer Teil des Applauses auf den überaus sympathischen Hauptdarsteller Wolfgang Schmitz ab, der dem liebe- und anspruchsvollen Travestiekünstler Arnold eine beachtliche Portion Leben einhauchte. Arnold steht nicht nur mit seiner Mutter im Konflikt, sondern auch immer wieder mit Ed, seiner großen Liebe.
Ed spricht Arnold in einer Bar an. Überlegen, fast arrogant. Arnold ruft Ed an, jammernd vor Sehnsucht. Ed hat sich getrennt, um mit einer Frau zusammen zu leben. Er möchte Normalität. In einem dauernden Zustand des „Nichtwissenobundwie“ stürzt sich Arnold in eine längere Affäre mit dem schönen Alan. Nach dessen Tod, einem Mord durch Jugendliche, fällt er tief. Er nimmt den jungen David als Adoptivsohn an. Ed, dessen Ehe gescheitert ist, will zu ihm zurück.
Episodenartig verfolgte das Ensemble unter der Leitung von Bernd Plöger neun emotional geladene Jahre im Leben Arnolds; die einzelnen Szenen gerieten abgehackt, aber gerade dadurch reizvoll und interessant. Plöger, ehemals Dramaturg und Theaterpädagoge am Rheinischen Landestheater, experimentierte erfolgreich mit Darstellungsweisen: Zwei Telefonierende laufen aneinander vorbei, voreinander her, während sie sich natürlich in unterschiedlichen Räumen aufhalten sollen; zwei Paare tauschen Kommentare aus und turnen dabei nicht nur sprachlich umeinander herum.
Nicht weniger intensiv als Schmitz spielte sein Kollege Daniel Cerman die Figur Ed. Schmitz und Cerman wohnten in ihren Rollen, kannten sich aus, fanden die passenden Betonungen, Gesichtsausdrücke und Gesten. Etwas unsicherer traten Sven Tillmann (David) und Dana Cebulla (Mutter) auf, doch nach einer Weile fanden auch sie sich besser in ihren Charakteren und dem Spiel zurecht. Temporeiche Wortgefechte, meist stark pointiert, manchmal daher leicht überamerikanisch und filmähnlich, dominierten die zwei Stunden des zugleich nachdenklichen und unterhaltsamen Stückes.
Auch die gesanglichen Abstecher, auf witzige Weise begleitet von Gitarrist und Bassist Sebastian Kemper, bekamen anerkennenden Beifall, denn Schmitz´ Stimme kann sich hören lassen. Die Opulenz der Darstellung, die durch ein elegantes und geheimnisvolles Bühnenbild ergänzt wurde, fügte sich in die flirrende Hitze des Abends ein und zauberte Schwirren im Kopf, angenehmes Schwirren.
Info Blücherstraße, nächste Vorstellungen: Samstag (10.) und Sonntag (11.), 20 Uhr. Karten (12 Euro) unter Telefon 02131/277583
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