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Lena Kuntze: "Ein anständiger Platz"

zuletzt aktualisiert: 11.01.2002 - 20:54

Noch hängt die Kunst auf Kleiderbügeln oder rasselt leise im Karton. Umzugskisten stapeln sich an der Wand; und für das Wasserglas muss man sich ein freies Plätzchen auf dem Tisch zurechtschieben. Aber die Blumen stehen schon da, wo sie hingehören, nämlich vor dem hohen und breiten Fenster, das den Blick in den immergrünen Innenhof freigibt. Wer auch nur einmal in seinem Leben umgezogen ist, kennt das Chaos und weiß, was Lena Kuntze meint, wenn sie sagt: "Ich glaube, das wird nie weniger."

Wird's natürlich doch, aber es dauert. Zumal da die 35-Jährige nicht nur den üblichen Hausstand auszupacken und unterzubringen hat, sondern auch ihr komplettes Arbeitsmaterial. Lena Kuntze ist Künstlerin, war bis zum Ende des Jahres in Düsseldorf beheimatet und ist nun dabei, in das Atelierhaus des Alten Wasserwerks an der Weingartenstraße zu ziehen. Aus ihrer alten Bleibe in Düsseldorf wurde Kuntze gewissermaßen vertrieben; dort hat sie zusammen mit rund zehn weiteren Künstlern aus allen Bereichen in einem Atelierhaus an der Friedensstraße gelebt und gearbeitet.

Doch weil der Komplex in der ehemaligen Schnapsfabrik an ein Weindepot vermietet wird, müssen alle Künstler das Gebäude verlassen. Dass Kuntze eine der ersten war, deren Mietvertrag sich kündigen ließ, scheint im nachhinein fast eine Fügung des Schicksals gewesen zu sein: "Von der Schnapsfabrik in ein Wasserwerk an der Weingartenstraße - das hat doch was!" sagt sie lachend und lässt inmitten des Chaos den Stoßseufzer folgen: "Ich hätt's gar nicht besser treffen können." Denn das mit Wohnraum kombinierte Atelier in Neuss hat ihr auf Anhieb zugesagt. Durch "Mundpropaganda" habe sie vom Wasserwerk erfahren, erzählt sie, passenderweise in einem Moment, als sie zwar Räume in Bilk gefunden hatte, aber vor den recht hohen Renovierungskosten noch zurückschreckte.

Zwar gibt es in der Landeshauptstadt auch andere Atelierhäuser, "aber ich wollte nicht in ein altes Fabrikgebäude mit feuchten Wänden und kühlen Räumen ziehen." Sie brauche einen anständigen Platz zum Arbeiten, "ich will nicht leiden für die Kunst." Doch damit meint Lena Kuntze wohl mehr die äußeren Bedingungen; innerlich dürfte sie schon einiges auf sich nehmen für den unbedingten Willen, von der Kunst zu leben. Denn dafür reicht es noch nicht ganz - trotz eines festen kleinen Käuferstamms -, immer wieder muss sie auf ihre Fähigkeiten als Grafikerin zurückkommen, auf Web-Design und ähnliches, damit die Finanzen stimmen - auch wenn sie bedauert, dass sie das von ihrer eigentlich Arbeit abbringt.

Kuntze ist Autodidaktin, hat sich nach jahrelanger Arbeit in einer Werbeagentur entschlossen, endlich das zu tun, was sie immer machen wollte: malen. Der künstlerische Opa hatte sie zwar animiert, aber ihre Eltern waren weniger begeistert, so brauchte Lena Kuntze dann doch eine Weile, bis sie genau wusste, dass sie mit ihrem Leben nur zufrieden sein wird, wenn sie aus der Passion eine Profession macht. Dabei ist sie ständig auf der Suche nach dem "Wie" und "Was". Es macht ihr Spaß, mit Materialen zu spielen.

Papier gehört zu ihren bevorzugten Stoffen, aber sie greift auch schon mal zu Ziegenleder und Donnerkeilen vom Ostseestrand. Herauskommen dabei teilweise richtige Installationen: "Mich interessiert es, wie aus den Dingen neue Symbole entstehen." In einer Atelierausstellung will sie ihre Arbeiten demnächst präsentieren. Mit der Düsseldorferin ist das Kunst-Trio in dem Hinterhof-Komplex des Wasserwerks wieder komplett.

Neben Kuntze gehören noch Georg Lilienthal und Jürgen Gromoll dazu. Für Kuntze genau das Richtige: Künstler als Nachbarn dort, "wo es normal ist, mit Büdchen, Bäcker und so". In ein "Künstlerghetto" abseits vom Stadtgeschehen - wie etwa in Heerdt - habe sie nie gewollt. Helga Bittner

Quelle: NGZ


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