Von Daniel Brinckmann
Mit einem Offenen Singen im Zeughaus hat der Madrigalchor in der VHS seinen langjährigen Leiter Bernd Kronen verabschiedet. Er wechselt die Seiten und singt in Zukunft nur noch.
„Kunst und Kultur sind nicht die Sahnehäubchen auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig“, sagte einmal Johannes Rau, „und ohne diese Hefe kann der Kuchen nicht aufgehen“. Dem Urteil des ehemaligen Bundespräsidenten kann sich Bernd Kronen wohl nur anschließen.
Nach über 50 Jahren als Leiter des Madrigalchors in der VHS hat der Mann aus der Quirinusstadt die lokale Musiklandschaft mit neuen Impulsen so langfristig mitgestaltet wie kaum ein anderer neben ihm. Zwar gab der 74-Jährige seinen Dirigentenstab bereits im April in treue Hände weiter, doch zumindest eine kleine Feierstunde durfte nicht fehlen. Und welcher Rahmen wäre da schon besser geeignet als ein Offenes Singen seines Chores - eine Veranstaltung, die fast zu einem Markenzeichen des Madrigalchors geworden ist?
Am Sonntag war es dann so weit: Im nahezu voll besetzten Zeughaus ging vereinzeltes Raunen durch die vorderen Reihen, als der „große alte Mann der Neusser Vokalmusik“ den Saal betrat. Herzliche Gratulationen wurden ausgesprochen, doch verschwand der bescheiden wirkende Neusser gleich wieder in den Reihen seiner bereits aufgestellten Chorkameraden. So, als sei ihm der Rummel um seine eigene Person unangenehm.
Zwar hat der Madrigalchor Neuss der VHS, ebenso wie ein Großteil der Chöre bundesweit, offensichtlich Probleme mit mangelndem Nachwuchs. Doch gemessen am phonstarken Echo, das der etwa 45 Mitglieder starke Chor mit weltlichen und geistlichen Stücken im Publikum findet, ist dennoch alles in bester Ordnung. Zumal die Leitung in der großen Familie bleibt: Der „neue“ Chorleiter, Norbert Zielonka, war jahrelang im Chor mit dabei. „Wir kennen uns gut“, sagte der ausgeschiedene Bernd Kronen der NGZ, „er hat schon oft bei uns ausgeholfen“.
Im Zeughaus bewies der Meerbuscher sein Talent, mehr als 40 Singstimmen zusammen zu halten und darüber hinaus auch die Sänger im Publikum mit flotten Sprüchen zum Mitmachen zu motivieren. Mit liebevollen kleinen Hommagen zog sich die Verabschiedung von Bernd Kronen wie ein roter Faden durch die Veranstaltung: „Musik fördert die Gesundheit körperlich und seelisch, das haben Wissenschaftler in der Vergangenheit herausgefunden“, erklärte Zielonka, und holte weiter aus, „vielleicht hätten sie einfach in eines der Konzerte gehen sollen, die Bernd Kronen in den letzten 50 Jahren geleitet hat“.
Eine kurze Laudatio nahm dann Bernd Kleinlosen als stellvertretender Leiter der VHS Neuss vor. Einem Auszug aus Bernd Kronens beachtlichen Biografie folgend, verabschiedete er „im Namen der VHS einen ihrer dienstältesten Dozenten mit großem Lob und herzlichem Dankeschön“.
Doch eigentlich hat der ehemalige Chorleiter nur die Seiten gewechselt, ab jetzt wird er die Proben und Konzerte des Neusser Madrigalchors mit seiner eigenen festen Tenorstimme bereichern. Und im Grunde tut er dem Chor damit auch noch einen Gefallen, denn Tenöre sind in der Regel rar gesät und heiß begehrt.
Den Dirigentenstab für die 1985 von ihm gegründete „Capella vocale“ will Bernd Kronen im übrigen noch eine Weile behalten.
INFO: Konzerte in Zahlen Rund 150 offene Singstunden und über 200 Konzerte hat Bernd Kronen mit „seinem“ Madrigalchor gegeben. Mehrere der Singstunden wurden auch vom WDR innerhalb der Hörfunk-Reihe „Sing mit uns“ ausgestrahlt. Dazu gehörte auch das 100. Offene Singen der Reihe am 20. März 1966 im Zeughaus.
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