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Der "Arbeitsplatz Kunst" sieht überall anders aus: Ein Malzimmer

zuletzt aktualisiert: 21.05.2004 - 22:08

Von Helga Bittner

Lieber jeden Abend alles wegräumen, den nicht immer angenehmen Farbgeruch selbst im Schlafzimmer akzeptieren, als gar nicht mehr malen zu können - viele Jahre lang hatte Regina Bender keine andere Möglichkeit, als die Staffelei direkt neben ihrem Bett aufzustellen, aber selbst heute, wo sie endlich einen eigenen "Arbeitsplatz Kunst" in ihrer Wohnung an der Büttgerstraße hat, wirkt sie nicht so, als ob sie unter dem beengten Zustand gelitten hat. Mit ihrer Kunst eingeschlafen und mit ihr aufgewacht: Regina Bender. NGZ-Foto: A. Woitschützke

"Wenn man malen will, findet man überall einen Platz", sagt sie ebenso resolut wie enthusiastisch und hat eben auch zu Zeiten, in denen Wohnen und Kunst auf beengtem Raum stattfanden, lieber Unbequemlichkeiten in Kauf genommen, als die Farbe in die Ecke zu legen. Gelegentlich nutzte sie zwar die Werkstatt ihres Lebensgefährten Rolf Geissler, ebenfalls Künstler, aber dafür musste sie dann alle Utensilien zwei Häuser weiterschleppen.

Doch dass ihrem Sohn in der Dreizimmerwohnung ein eigener Raum zustand, war für sie überhaupt keine Frage; das gemeinsame Wohnzimmer ist nicht gerade groß und die Küche eignet sich schon gar nicht, also blieb nur das eigene Schlafzimmer für die Malerin übrig: "Ich bin abends mit dem Blick auf mein neuestes Bild schlafen gegangen und morgens damit wieder aufgewacht."

Nicht gerade ein Idealzustand für jemanden, der sich die Zeit zum Malen ohnehin neben dem Brotberuf in der Sparkasse und dem Leben als allein erziehende Mutter immer irgendwie nehmen musste. Doch wirkt Regina Bender nicht einen Moment so, als ob sie unter den Bedingungen gelitten hätte. Selbst dem Umstand, dass sie wegen des starken Geruchs von Öl- auf Acrylfarbe umgestiegen ist, weiß sie Positives abzugewinnen: "Acrylfarbe liegt mir viel näher, die trocknet nämlich schneller."

Lange Wartezeiten, bis sie den nächsten Schritt auf einem Bild machen kann, ist ihre Sache offensichtlich nicht ... "Ich bin eine schnelle Malerin", sagt sei denn auch prompt. Dabei könnte sie es sich jetzt leisten, ein Bild auch mal wochenlang auf der Staffelei stehen zu lassen; nicht einmal Pinsel und Farben müsste sie wegräumen, und die bunt gesprenkelten Putztücher würden auch niemanden stören.

Seit ihr Sohn ausgezogen ist, mit Beginn des Studiums in Aachen eine eigene Wohnung bezogen hat, nutzt die Malerin das frühere Kinderzimmer als - nein, nicht als Atelier. "Die Bezeichnung passt nicht", sagt sie fast ein wenig verlegen lächelnd, "ich nenne es lieber mein Malzimmer". Doch egal, welche Bezeichnung der Raum auch hat: Farbkleckse auf dem hellen Teppichboden, jede Menge Bilder an den Wänden und auch aufgereiht auf dem Boden weisen unmissverständlich darauf hin, welchem Zweck er dient.

Direkt vor dem Fenster steht ein alter Tisch, an dem Regina Bender gerne sitzt und zeichnet, was draußen an ihr vorbeizieht. Der Kappesssontagszug zum Beispiel, der ebenso in ihr Skizzenbuch Eingang gefunden hat wie die ersten Tulpen des Frühlings. Überhaupt ist das dicke Buch mehr einem Tagebuch ähnlich, denn egal, ob der schlafende Hund ihren Blick anzieht oder die Erinnerung an den toten Vater ihren Geist beschäftigt - Regina Bender hält dort mit Bildern fest, was andere Menschen in Worte fassen.

Manchmal könne sie einfach nicht malen, sagt sie, aber für das Skizzenbuch reiche es immer: "Wenn eben nichts Großes geht, muss man halt kleine Sachen machen." Das jederzeit zugängliche Malzimmer gibt ihr nun die Freiheit, diese Phasen zu nehmen, wie sie kommen. Nicht malen zu müssen, weil die Gelegenheit gerade günstig ist, sondern malen zu können, wann und wie sie es will - Regina Bender genießt ihren Arbeitsplatz Kunst, übrigens mit vollster Zustimmung ihres Sohnes, für den das ganze Ensemble auch schnell wieder um einen Schlafplatz erweitert werden kann.

Quelle: NGZ


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