Passend zur Wiederkehr der Live-Musik in den Trend-Charts feiert auch die lokale Konzertszene ein Revival. Nach dem umjubelten Auftritt der Neusser Beat- und Seventies-Rock-Heroen "Experience Project" und "Connection 99" im Thomas-Morus-Haus bekamen Freunde der Klänge von John Lennon bis Gary Moore am vergangenen Freitag im Hamtorkrug einmal wieder authentische Klänge serviert.
Mit "Just 4 Fun" füllte eine Ausnahme-Formation die Musikkneipe an der Büttgerstraße: Bereits in den Sechzigern und Siebzigern verdienten sich die fünf "Musiker fürs Leben" ihre ersten Sporen in überregional bekannten Neusser und Düsseldorfer Beatbands wie "The Scrabees" und "The Larks". So verwunderte es nicht, dass Evergreens wie "Can"t buy me Love" aus der Feder Paul McCartneys oder Chuck Berrys "Roll over Beethoven" äußerst präzise und instrumentell versiert vorgetragen wurden.
Das kleine Quäntchen Magie jedoch, welches frühzeitig das erste Tanzpaar des Abends auf den Plan rief, bestand im fein akzentuierten Klang sowie im nahezu perfekten dreistimmigen Satzgesang, der vor allem bei den Beatles-Interpretationen sehr schön zur Geltung kam. Attribute, die wohl nur Zeitgenossen der Beat-Generation so adäquat umzusetzen vermögen.
Auch die mageren Bühnenmaße im Hamtorkrug, die angesichts des Quintetts mehr als einmal die Befürchtung aufkommen ließ, der Verstärkeraufbau könne in sich zusammenbrechen, konnte der Gruppe die sichtbare Spielfreude nicht nehmen. Mit "Matchbox", einem Song des jungen Bluesgitarren-Wunders Jonny Lang, betteten "Just 4 Fun" zusätzlich geschickt neueres Material in das Programm ein.
Neben kompakten Rocksongs wie Status Quo's unsterblichem Hit "Rockin" all over the World" oder "Born on the Bayou" von Creedence Clearwater Revival widmete sich die Freizeit-Band auch anspruchsvoll vielschichtigen Arrangements. "Eye in the Sky" vom Alan Parson Project versetzte einige Zuhörer gar in wortloses Staunen. "Unser Programm besteht aus je einem Drittel Blues, Beat und Exoten", erklärt Schlagzeuger Norbert Dierselhuis das Rezept zur guten Live-Unterhaltung und ergänzt: "Zu unseren Konzerten kommen regelmäßig Fans unserer alten Bands, seit kurzer Zeit sichten wir auch verstärkt jüngere Zuhörer."
Der Grund dafür könnte neben der Qualität der Darbietung auch der zeitliche Gegenwert für den Eintritt sein. Während ein Großteil der in Neuss aktiven Bands nach einem oder zwei Sets die Gitarrenkoffer packt, spielen "Just 4 Fun" mit einigen Unterbrechungen häufig bis in die Nacht hinein. db
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