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Feuilleton: Ein Wechselspiel der Stimmungen

VON HANSGEORG MARZINKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 22.05.2006 - 21:30

Das letzte Konzert der Deutschen Kammerakademie Neuss in dieser Saison wurde unter dem Chefdirigenten Lavard Skou Larsen zu einer veritablen Würdigung des 250. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart.

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V +Mozart+ V

Mit dem Titel des Konzerts würdigt die DKN einmal den österreichischen Komponisten und zitiert zugleich mit „V + V für Violine, Streicher und Tonband“ von Gija Kantscheli, das er dem Geiger Yehudi Menuhin gewidmet hat.

Die Initialen V + V stehen dabei für Violine und Stimme (Violin & Voice); das Stück ist gewissermaßen ein Recycling-Produkt - Kantscheli verwendete eigene, aber verworfene Kompositionen.

Die Auswahl der Werke könnte suggerieren, der „Chef“ würde in Wehmut auf seine erste Saison mit der DKN zurückblicken, wäre da nicht zur Eröffnung die melodienreiche und vitale Ouvertüre zu Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ (KV 621) gewesen. Dieses Vorspiel ließ erahnen, zu welch großer Übereinstimmung das Orchester und sein Leiter im kurzen Zeitraum der Zusammenarbeit fähig sind.

Skou Larsen beschränkte sich in seinem Dirigat auf wenige Impulse, meist um die ohnehin energische Spielfreude seiner Musiker auszureizen. Dann aber wurde es ernst. Die „Sinfonia concertante Es-Dur“ (KV 263) für Violine, Viola und Orchester stellt höchste Ansprüche an die Kunst beider Solisten, mehr aber noch an die Feinabstimmung im Zusammenspiel.

Und das war außergewöhnlich: Lavard Skou Larsen spielte die um einen halben Ton höher gestimmte Viola, die damit näher zur Violine rückt. Ihre Solistin war die erst 21-jährige Münchnerin Lena Neudauer, die bereits in jungen Jahren als „Wunderkind“ galt. Beider Zusammenspiel wurde zum Höhepunkt des gesamten Konzertes, gleich ob in der auskomponierten Kadenz des ersten Satzes oder in den höchst virtuosen Imitationen des Schluss-Presto.

An Verständnisintimität nicht zu überbieten aber war der tiefsinnige zweite Satz, Andante, und hier wiederum die ausdrucksvolle Kadenz, die in jenseitigen Sphären verklingt. Das Orchester begleitete den an Intensität unübertroffenen Dialog der Solisten in traumwandlerischer Sicherheit.

Dass die DKN nach einer kurzen Probewoche ein einmaliger und in allen Stimmen meisterlich besetzter Klangkörper ist, bewies einmal mehr die „Sinfonie Nr. 40 g-Moll“ (KV 550), bei aller kühner Struktur voller Wehmut und gleichzeitig ein so vollendetes Orchesterwerk Mozarts, dass die erlesene Schönheit überwiegt. Lavard Skou Larsen ließ erst gar keine Sentimentalität aufkommen, konnte seinem Orchester schnelle Tempi zumuten und gestaltete den letzten Satz - nach dem einzigen verhaltenen Trio (im 3. Satz) mit dem heiklen, aber perfekt gespielten Hornsolo - mit schier unbändigem Vorwärtsdrang.

Vor dieses Schlusswerk einer glänzenden Mozart-Würdigung war eine zwischen tiefer kontemplativer Ruhe und bedrängender Dramatik angesiedelte Komposition des in Antwerpen lebenden größten georgischen Komponisten Giya Kanchelli gestellt: „V + V für Violine, Streicher und Tonband“. Auf traditionelle georgische Kirchenweisen vom Tonband antwortet die Violine - Solistin wiederum Lena Neudauer - in langen höchsten Tönen, bald folgen ruhige Streicherakkorde, die plötzlich zu brutalen Orchesterschlägen aufbrechen.

Dann kehrt die Ruhe zurück. Lavard Skou Larsen zelebrierte langsames Tempo und atemlose Pausen als wichtige Stille vor dem nächsten Ton. Höchsttönig erstirbt das Werk in der Violine und konnte ahnen, weshalb sich Giya Kanchelli als Komponist von heiliger Musik versteht.

Quelle: NGZ


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