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Alte Post: Eine Grenzgängerin

zuletzt aktualisiert: 17.01.2005 - 22:39

Von Helga Bittner

Die Regisseurin Jale Maria Gönenc unterrichtet an der Alten Post und vereint in ihren Inszenierungen Tanz, Schauspiel, Gesang und Film. Ihre jüngste Produktion „Birdy“ läuft jetzt im Düsseldorfer Forum Freies Theater. Einen Theatertext als Raum erfassen, ist das Credo der Regisseurin Jale Maria Gönenc. Die Möbel stellt sie mit ihrer Inszenierung hinein. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Der Name legt die Frage nahe: Jale Maria Gönenc (sprich Dschaale Maria Gönensch) - eine Kombination, die sich doch sicher deutsch-türkische Eltern haben einfallen lassen? Stimmt, sagt die in Köln geborene 39-Jährige, ihre Mutter sei Deutsche, ihr Vater Türke. „Aber leider kann ich kein Türkisch“. Wieso leider? „Dann könnte ich mir das dortige Theater erschließen.“ Ein Frage- und Antwortspiel, das ein fast zweistündiges Gespräch mit der Künstlerin abschließt, aber noch einmal auf den Punkt bringt, was zuvor beherrschendes Thema war: Im Leben der Kölnerin dreht sich alles um das Theater.

An der Alten Post unterrichtet die ausgebildete Schauspielerin und Regisseurin Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren in Kompaktkursen, erarbeitet in diesem Semester mit ihnen eine eigene Version von „Romeo und Julia“ und hat zudem vor gut drei Jahren die Schauspielcompagnie Düsseldorf, gegründet, die mit zwei Produktionen - „Die kleine Frau Schmetterling“ und „Möblierte Kindheit“ - auffiel und nun mit ihrer dritten vom Forum Freies Theater ins JuTa eingeladen wurde. „Birdy“ heißt das Stück von Naomi Wallace, das nach dem Buch von William Wharton entstand, und von Gönenc inszeniert wurde. Auf eine Art und Weise, wie sie für die lebhafte Frau typisch ist, nämlich spartenübergreifend.

Tanz, Musik, Schauspiel, Film - nicht nur als Regisseurin interessiert die Kölnerin die Verbindung der verschiedenen Gattungen; auch ihr persönlicher Weg ist von dem Miteinander der Künste bestimmt. „Eigentlich wollte ich ja Tänzerin werden“, sagt sie. Dann hat sie zwar eine Ausbildung als Schauspielerin begonnen, aber Wert darauf gelegt, dass diese mit intensivem Tanz- und Gesangsunterricht gekoppelt ist. „Auf dieser Spur bin ich geblieben“, meint sie nachdenklich, „für mich war es immer wichtig, forschen zu können, was für die Bühne, für ein Stück noch alles möglich ist“.

Das Schauspiel-Studium in Bergisch-Gladbach hat Jale Maria Gönenc zwar beendet, aber auf der Bühne hat es sie nicht lange gehalten. „Ich hatte immer entsetzlich großes Lampenfieber“, bekennt sie. In einem Maß, das nicht mehr nur für den nötigen Adrenalinschub sorgte, sondern sie völlig blockierte. Als sie erkannte, dass sie auch für ihre Mitspieler eine Belastung wurde, hängte sie die Schauspielerei an den Nagel und wandte sich ihrer zweiten Neigung zu: der Regie. Sie begann in Frankfurt eine dreijährige Ausbildung, hat dort die Zeit genutzt und viel bei Fredericks Forsythe’s Ballett gelernt.

„Heute gibt es wieder Momente, in denen ich mir vorstellen kann, auf die Bühne zurückzukehren ...“ Noch kommen die Worte mit einem vorsichtigen Unterton aus ihr heraus, aber dass sie sie überhaupt äußern mag, wirft ein bezeichnendes Licht auf ihr Wesen: Jale Maria Gönenc gehört zu den Menschen, die sich Perspektiven bewahren und selbst einmal gemachte Erfahrungen immer wieder auf den Prüfstand stellen.

Eine Haltung, die auch in ihrer Arbeit mit den Jugendlichen an der Alten Post von Vorteil ist. Die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen sieht Gönenc mehr wie ein gegenseitiges Nehmen und Geben: „Sie lernen von mir, und ich lerne von ihnen.“ Mit den Fortgeschrittenen wird sie im April Shakespeare’s bekanntestes Liebesdrama aufführen. „Wirklich ein Hammertext“, wie sie lachend sagt, in dessen Bearbeitung sie genau wie bei „Birdy“ die Grenzen der Künste überschreiten wird: „Es wird zwei Julias geben; eine, die tanzt und eine, die spielt.“

Info: Forum Freies Theater Düsseldorf, Spielstätte JuTA, Kasernenstraße, Donnerstag/Freitag, 20. und 21. Januar, 20 Uhr

Quelle: NGZ


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