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Feuilleton: Es geht auch ohne Eisen

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 12.05.2006 - 20:30

Neuss Den Klüpfel wird er wohl mitnehmen. Aber sicherheitshalber schon vorab losschicken, denn der Hammer mit dem überdimensionierten Kopf aus Hartplastik könnte im Handgepäck allzu schnell ins Visier der Sicherheitskräfte geraten und müsste auf deutschem Boden bleiben.

Auf dem Sprung in die USA: Sechs Wochen wird sich der Neusser Künstler Jürgen Zaun in St. Paul, der Partnerstadt von Neuss, aufhalten und an einem internationalen Bildhauer-Symposium teilnehmen.
 Foto: NGZ
Auf dem Sprung in die USA: Sechs Wochen wird sich der Neusser Künstler Jürgen Zaun in St. Paul, der Partnerstadt von Neuss, aufhalten und an einem internationalen Bildhauer-Symposium teilnehmen. Foto: NGZ

Aber auf sein liebstes Werkzeug, mit dem er schon an die 30 Jahre arbeitet, verzichten? Kommt für Jürgen Zaun nicht in Frage - so sehr er sich auch darauf freut, zu einem sechswöchigen Symposium für Bildhauer nach St. Paul zu reisen.

Der Neusser Künstler gehört zu einer Gruppe von insgesamt 14 Künstlern aus verschiedenen Nationen, die von der amerikanischen Partnerstadt eingeladen wurden, dort zu leben und zu arbeiten. Allesamt sind sie Bildhauer und arbeiten mit Stein, was auch überhaupt die Voraussetzung war, sich beim Ausrichter Public art Saint Paul zu bewerben. Zaun wurde von der Stadt auf Vorschlag von Alte-Post-Leiter Thomas Brandt angesprochen, „aber ich musste mich genauso online bewerben wie alle anderen auch“, erzählt er.

Info

Jürgen Zaun

Jürgen Zauns Arbeit „Landauer“ ist zurzeit beim Korschenbroicher Frühling inder Alten Schule (Steinstraße 18) zu sehen. Der 1959 geborene Neusser arbeitet als freier Bildhauer und hält auch für die Alte Post in seinem Atelier Seminare ab.

Der Jury gefiel offensichtlich, was Zaun ihr schickte, und so freut der 46-Jährige sich jetzt darauf, „sechs Wochen lang mich nur der Arbeit widmen zu können, ohne daran denken zu müssen, dass ich auch Geld verdienen muss“. Auch die Stadt St. Paul wird von dem „International Stone Carving Symposium“ vom 22. Mai bis 30. Juni profitieren, denn jeder Künstler lässt das Werk zurück, das er in den sechs Wochen aus Stein meißelt. Aus „Minnesota Rocks“ genau gesagt, was zum einen der Titel der Aktion ist, zum anderen aber auch deutlich macht, worum es vor allem geht: Aus dem lokalen Steinmaterial eine Skulptur zu erarbeiten, die dann auf einem Platz innerhalb des Stadtgebiets aufgestellt wird. „Und sie wird angekauft“, wie Zaun noch betont.

So gehört denn eine Rundreise durch die Stadt zu den ersten Aktivitäten der Künstler in St. Paul, „denn natürlich ist es sinnvoll, wenn man gleich weiß, für welchen Raum man arbeitet“, sagt Zaun. Eine Idee hat er schon in seinem Atelier an der Uhlandstraße entwickelt; auch ein kleines Modell von den real drei bis vier Meter hohen Stelen kann er schon zeigen, „aber ob’s passt, kann ich erst in entscheiden, wenn ich weiß, wie der Platz aussieht“.

Zaun freut sich nicht nur auf die neue künstlerische Herausforderung, sondern auch auf die Kollegen aus aller Welt (selbst aus Japan ist ein Künstler dabei): „Künstler, die mit Stein zu tun haben, sind irgendwie was Besonderes“, sagt er und lacht fast entschuldigend. Doch derzeit beschäftigt ihn vor allem eine Frage: „Wie ist der Stein, mit dem wir arbeiten, und wie können wir damit umgehen?“ Immerhin stehen den Künstlern 25 verschiedene Sorten Stein zur Verfügung (ebenso wie diverse Werkzeuge), und dass er sich für diese Sache von einem anderen, von ihm gern genutzten Material verabschieden muss, bereitet dem Bildhauer keine Probleme: „Es geht auch ohne Eisen.“ Deswegen hat er sich auch schnell von der Idee verabschiedet, analog zu den Schaufelrädern der Mississippidampfer eine Skulptur zu schaffen: „Das war ohne Eisen nicht denkbar.“

Alle Künstler sind im College von St. Paul untergebracht und arbeiten auf dessen Gelände. Öffentlich wohlgemerkt, denn „es gehört zum Symposium, dass man uns bei der Arbeit zuschauen kann“. Über Webcams sollen die Arbeitsprozesse gar über Internet verfolgt werden können.

Offene Diskussionsrunden unter den Künstlern, Ausstellungen und die eine oder andere Besichtigungstour gehören zum Rahmenprogramm; Zaun weiß auch, dass der St.Paul-Ableger der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft daran beteiligt ist. Den Aufenthalt in Amerika sieht der gebürtige Neusser schon jetzt als Gewinn: In einem ganz anderen Land sein und dort arbeiten; einen neuen Blick auf Europa gewinnen und das Zurücklassen „einer Arbeit von mir, die dort dauerhaft präsentiert wird“ sind Dinge, die ihn schon jetzt mit einer großen Zufriedenheit, aber auch Spannung erfüllen.

Info Weitere Informationen zum Symposium im Internet unter www.minnesotarocks.org

Quelle: NGZ


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