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Handwerk:: Ärger mit Vergabepraxis der Kommunen

zuletzt aktualisiert: 04.06.2004 - 21:55

Die Auftragslage im Bauhandwerk hat sich in den vergangenen Monaten etwas verbessert, allerdings ohne dass sich die Betriebe über steigende Erlöse freuen können: "Das Preisniveau ist sehr niedrig und nicht mehr auskömmlich", sagt Siegfried Rohde, Obermeister der Bau-Innung im Rhein-Kreis Neuss. Hohe Treibstoff und Rohmaterialpreise, zum Beispiel für Baustahl, belasteten die Betriebe zusätzlich. "Meister wissen, wie es geht" - Vertreter des Bauhandwerks im Rhein-Kreis Neuss informierten sich im NGZ-Pressehaus an der Neusser Moselstraße über die Zeitungsproduktion und nutzen die Gelegenheit, auf aktuelle Probleme in ihrer Branche hinzuweisen. NGZ-Foto: L. Berns -->

Abgesehen von einer gewissen Marktbelebung aufgrund einer "Torschluss-Panik" der Häuslebauer angesichts der Debatte um die Kürzung der Eigenheimzulage Ende vergangenen Jahres, herrsche zudem im privaten Baubereich nach wie vor Flaute. Verärgert sind die Handwerker über die Vergabepraxis vieler Städte und Gemeinden.

Dort würden Arbeiten konsequent an den günstigsten Anbieter vergeben, auch wenn schon aus der Höhe des Angebotes auf den ersten Blick ersichtlich sei, dass damit die vorgeschriebenen Mindestlöhne kaum zu zahlen seien.

"Das aber wird - obwohl es leicht möglich wäre - nicht kontrolliert", sagt Rohde. Die meisten öffentlichen Auftraggeber begnügten sich angesichts ihrer leeren Kassen mit einer einfachen Bescheinigung der nicht selten aus dem benachbarten Ausland stammenden Anbieter, dass die vorgeschriebenen Löhne gezahlt würden: "Da werden beide Augen zugedrückt." Allerdings, so berichtet Hans-Willibert Ramrath, gebe es auch vorbildlich arbeitende Kommunen.

"Der Rhein-Kreis und die Stadt Neuss, verhalten sich ausgesprochen fair." Oft genug jedoch hätten die Handwerksunternehmen, die sich an die Tariflöhne hielten, das Nachsehen: "An öffentlichen Ausschreibungen brauche ich mich in der Regel nicht mehr zu beteiligen", sagt etwa Michael Vogels, der einen Stuckateurbetrieb in Büttgen betreibt. Als ärgerlich stufen die Handwerker es auch ein, wenn Städte und Gemeinden bei der Einrichtung von Baustellen Sondernutzungsgebühren verlangen.

Dies sei dann der Fall, wenn Bürgersteige oder Straßen als Abstell- oder Lagerfläche genutzt würden. "Die Städte benehmen sich wie im Selbstbedienungsladen und verlangen Phantasiepreise", kritisiert der Obermeister.

Die Preise lägen zwischen drei und sechs Euro pro Quadratmeter und Monat - "eine Strafsteuer", meinen die Handwerker, die besonders bei Projekten in Baulücken zu Bauche schlage, wenn für die Baustelleneinrichtung wenig Platz vorhanden sei. Getroffen würden - wieder einmal - die kleinen und mittelständischen Handwerksbetriebe, die an solchen Projekten arbeiteten.

Großunternehmen der Bauindustrie stürzten sich auf umfangreichere Aufträge - und genau das ist ein weiterer Kritikpunkt auf der Ärgernisliste des Bauhandwerks. "Es wäre gut, wenn Baugebiete nicht nur in Größenordnungen ausgeschrieben würden, die nur noch von Generalunternehmern zu händeln sind", sagt Siegfried Rohde. Würden Neubaugebiete in der Ausschreibung gestückelt, hätten auch kleinere und mittlere Unternehmen eine Chance.

"Gut wäre es auch, wenn alle Kommunen dazu übergingen, Baulückenkataster zu erstellen", ergänzt Paul Neukirchen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Neuss. Architekten und Handwerker vor Ort könnten davon profitieren. Den Verbrauchern raten die Handwerker darauf zu achten, dass sie es mit einem Meisterbetrieb zu tun haben.

Nach der Novellierung der Handwerksordnung seien in manchen Bereichen, etwa bei Fliesenlegern, schwarze Schafe am Markt aktiv. Schlecht ausgebildet, lieferten sie vielleicht günstigere, oft jedoch qualitativ schlechtere Arbeit ab. Neukirchen: ",Meister wissen, wie es geht', das ist ein Slogan, der inzwischen weit verbreitet ist." Der Meisterbrief bleibe allen Gesetzänderungen zum Trotz das Qualitätssiegel im Handwerk.

Quelle: NGZ


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