Rhein-Kreis Neuss Für 4,99 Euro bekommt man nicht viel: einen kleinen Gyros-Teller vielleicht, eine Single mit zwei Songs, vier Batterien für das Radio - und seit einiger Zeit auch eine neue Frisur. Der Boom der Billigfriseure macht den alteingesessenen Coiffeuren indes deutlich zu schaffen. Kein Wunder also, dass diese Problematik im Rahmen des Verbandstags der Friseure Nordrhein - am Montag im Park Inn Hotel in Kaarst - zu einem Schwerpunkt erhoben worden war.
Dass die Qualität der Stopp-and-go-Haarschnitte der Discount-Friseure „nicht zwingend schlechter“ sei, musste indes auch Wilfried Petri, Geschäftsführer des Innungsverbandes Friseur und Kosmetik Nordrhein, einräumen. Dennoch, glaubt Petri, müsse der Kunde auf vieles nebenher verzichten. Der Kaffee werde von Billighaarschneidern oder in Konzept-Salons eben nicht an den Platz gebracht, dafür stehe ein Cola-Automat in der Ecke.
Zudem müsste der Kunde mit vier Haarschnitten und zwei, drei Farbtechniken im Jahr auskommen - und die Mitarbeiter würden oft untertariflich bezahlt. Auch den Rhein-Kreis Neuss hat dieser (möglicherweise ruinöse) Wettbewerb nicht verschont. Es ginge mit dem Preis „immer weiter nach unten“, seufzt Helmut Filz, Obermeister der Friseur-Innung im Rhein-Kreis Neuss.
Der Fokus soll nun auf die Zielgruppe 40 plus - die Wert lege auf eine gute Beratung - gerichtet werden, erklärte Filz. Die Jugend müsse eben mit „exakten Haarschnitten“ und besserer Qualität überzeugt werden. Geiz ist geil habe auch das Friseurhandwerk erreicht, ergänzte Petri. Preiswert und schnell; Haarschnitt, und sonst nichts - das spräche eben insbesondere die 17- und 18-Jährigen an. „Die haben da keine Schwellenangst“, so Petri.
Ein weiteres Problem, das die Friseure umtreibt, ist die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent. Sie fordern einen reduzierten Steuersatz. Die EU sieht das auch vor. Bis 2010 können deren Mitgliedstaaten ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf arbeitsintensive Dienstleistungen erheben.
Zwanzig von 25 Ländern der Union zögen mit, doch die deutsche Bundesregierung ziere sich, so Harald Esser, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Wirkliche Hoffnung scheint sich bei den Friseuren nicht breit zu machen. Das ist ein wenig anders bei deren Forderung nach einer Reduzierung der Gesamtstundenzahl, die ihre Azubis an der Berufsschule verbringen sollen.
Derzeit sind das 480 Stunden; die Coiffeure hätte gerne 360 Stunden. Ein Kfz-Mechatroniker müsse eindeutig mehr mit komplexer Theorie vertraut sein, als ein praxisorientierter Friseur, erklärt Wilfried Petri. Das Einschmelzen der Unterrichtsstunden solle insbesondere allgemein bildende Fächer treffen. Die Forderung ist eindeutig: Für den Deutschunterricht ist die Haupt- oder Realschule zuständig, nicht aber die Berufsschule.
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