Rhein-Kreis Neuss Die deutsche Bevölkerung schrumpft, wird älter und mulitkultureller. Um darauf reagieren zu können, brauchen die örtliche Wirtschaft und Kommunalpolitiker detailliertere Informationen: Wie wird sich die Bevölkerung vor Ort entwickeln?
Im Auftrag der IHK Mittlerer Niederrhein hat die Hochschule Niederrhein erstmals regionale Demographie-Prognosen erarbeitet. „Die hiesigen Kommunalpolitiker sind sehr optimistisch“, kritisiert IHK-Geschäftsführer Rainer Növer. Sämtliche Kommunen und Kreise im IHK-Bezirk rechneten binnen der nächsten Jahre mit einer wachsenden Bevölkerung, obwohl die deutsche Bevölkerung insgesamt schrumpft.
Politiker zu optimistisch?
Nach der Analyse der IHK zeigt sich, dass die Kommunen nicht nur von einem positiven Wanderungssaldo ausgehen, sie also eine günstigere Bevölkerungsentwicklung erwarten, als dies aufgrund der reinen Geburten und Sterbefälle der Fall sein würde.
Vier Kommunen - Dormagen, Grevenbroich, Jüchen und Korschenbroich - unterstellen, so die IHK, sogar so kräftige Zuzüge, dass sie von einem Anstieg ihrer Bevölkerung bis zum Jahr 2020 ausgehen. Die anderen Gemeinden - Kaarst, Meerbusch, Neuss und Rommerskirchen - rechnen hingegen trotz der Nettozuwanderung mit einem Rückgang ihrer Einwohnerzahlen.
„Diese Rechnung kann nur aufgehen, wenn die Wohn- und Standortqualität weiter verbessert wird, um im Standortwettbewerb zu bestehen“, sagt Növer. Für den Rhein-Kreis Neuss haben die Forscher festgestellt, dass die Gesamtbevölkerung bis zum Jahr 2010 zunächst noch zunehmen wird, um dann bis 2020 gegenüber heute um 0,5 Prozent zu sinken.
Ob sich die erhofften Zuwanderungen in der von den Kommunen prognostizierten Weise erfüllen, so die IHK, bleibe abzuwarten. Denn schließlich stehe im Hintergrund der deutliche bundesweit zu registrierende Bevölkerungsrückgang. Zudem sei aktuell ein Trend „zurück in die Stadt“ festzustellen, vermutlich als Resultat steigender Spritpreise, fehlender Arbeitsplätze sowie allmorgendlicher und abendlicher Pendlerstaus.
Auch die Zahl der Erwerbstätigen wird bis 2008 kreisweit erst noch leicht ansteigen, um dann knapp vier Prozent zu verlieren. Die Zahl der über 60-Jährigen steigt hingegen kontinuierlich an. Kinder und Jugendliche wird es dagegen im Rhein-Kreis konstant weniger geben.
Im Jahr 2020 werden im Rhein-Kreis Neuss auf 100 Erwerbspersonen 85 Kinder, Jugendliche oder Rentner entfallen. Der regionale Demographie-Report schlüsselt auch Einzelergebnisse für Dormagen, Grevenbroich, Jüchen, Korschenbroich, Kaarst, Meerbusch, Neuss und Rommerskirchen auf.
In Dormagen zum Beispiel wird die Bevölkerung bis 2020 um 1,2 Prozent wachsen. Auch dort wird die Zahl der älteren Menschen absolut und relativ deutlich wachsen - um bis zu 26,1 Prozent im Jahr 2020. Vor allem die Gruppe der über 75-Jährigen nimmt stark zu.
Neuss schrumpft nur wenig
Ein anderes Beispiel aus dem IHK-Bericht - die Stadt Neuss: Im Jahr 2004 zählte sie etwas mehr als 152 000 Einwohner. Gemäß der von ihr genannten Wanderungssalden wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2012 noch um rund 780 Menschen zunehmen, um sich dann im Jahr 2020 auf 150 900 zu reduzieren.
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