Von Jens Krüger Der Mittelständler hat’s schwer. Er muss sich um alles kümmern: um seine Steuern, um den Verkauf, um die Kundenbindung - da kommt die Planung oft zu kurz. Seit fünf Jahren gibt das Methoden-Netzwerk-Kaarst (MNK) Anstöße für die Strategie-Findung. Motto: Handeln, wenn es dem Unternehmen gut geht, nicht erst in der Krise Geben dem Mittelstand Anschub (v. l.): Franz-Josef Moormann, Johannes Fröhlings, Kurt Nagel, Christina Guth, Bert Bachmann, Carl-Dietrich Sander und Günther Hillmann. NGZ-Foto: L. Berns
. Im Rahmen des 16. Kaarster Wirtschaftstreff (KWT) zelebrierte das MNK jetzt seinen „Geburtstag“. Nachdem Johannes Fröhlings, Sprecher des KWT und Bürgermeister Franz-Josef Moormann ihre Grußworte gesprochen hatte, trat der Stargast des Abends vors Rednerpult: Professor Kurt Nagel von der Uni Würzburg referierte zum Thema „Top im Mittelstand - sein und bleiben“. „Was macht Methoden aus?“, fragte der Professor in die Runde und gab auch gleich die Antwort: „Eine Bauchentscheidung zu kultivieren.“
Nagel, Jahrgang 1939, ist genau so, wie man sich einen BWL-Professor der alten Schule vorstellt: bodenständig. Er spricht nicht von „Cash Flow“, „Leverage-Effekt“ oder „ROI“, sondern weist lieber auf die fünf „B“ (Bearbeitung, Beratung, Betreuung, Beziehung und Bindung) hin. Nagel ist ein freundlicher grauhaariger Herr mit einem scharfen Wortwitz, und wenn es sein muss, legt er den Finger in die Wunde. Er sagt so etwas wie: „Wer heute nichts tut, hat morgen nichts mehr zu tun.“ Und: Der Handwerker werde es in Zukunft schwer haben, er müsse zum „Kopfwerker“ werden.
Auch „abgrenzen“ ist ein Wort, das der Professor gerne benutzt. Wer ein austauschbares Produkt anbiete, könne nur über den Preis punkten. Und mit dieser Strategie, das klang unterschwellig mit, kann man gegen die Konkurrenz aus China oder Osteuropa sicher nicht bestehen. Preisnachlässe sind dem Professor ohnehin ein Graus: Das Wort Rabatt, sagt er, stamme aus dem Arabischen und bedeute so viel wie Untergang.
Während er das sagt, verteilt Nagel seine Denkanstöße beinahe mit physischer Gewalt. Er schlägt aufs Pult, auf die Leinwand und wenn gerade nichts in der Nähe ist, dann sticht er gestenreich Löcher in die Luft und sagt: „Jeder muss auf einem bestimmten Gebiet Experte sein.“ Früher war der Professor Chefberater bei IBM, heute gibt er auch dem Elektroladen um die Ecke Tipps. Nagel liegt viel an der Basis.
Er mahnt die Runde, sie müsse die Mitarbeiter zu Mit-Unternehmern machen und findet: „Jeder Arbeitsplatz ist ein Geschenk.“ Über die aufgeworfenen Fakten zu diskutieren, das lag danach an einer mit KMN-Experten bestückten Gesprächsrunde.
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