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Special: Die größte Baustelle Europas

VON WILJO PIEL - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006 - 17:15

Hoher Besuch im Kraftwerk: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers legten im August den Grundstein für eines der derzeit größten Bauprojekte in Europa: die BoA 2/3, die in Neurath, am Stadtrand von Grevenbroich entsteht.

Eine gigantische Baustelle: RWE Power investiert in Grevenbroich rund 2,2 Milliarden Euro in den Bau des modernsten Braunkohlen-Kraftwerks der Welt. Die BoA 2/3 soll im Jahr 2010 ans Netz gehen. 
 Foto: NGZ
Eine gigantische Baustelle: RWE Power investiert in Grevenbroich rund 2,2 Milliarden Euro in den Bau des modernsten Braunkohlen-Kraftwerks der Welt. Die BoA 2/3 soll im Jahr 2010 ans Netz gehen. Foto: NGZ

Hinter diesem Kürzel steht das modernste Braunkohlenkraftwerk der Welt mit einer Gesamtleistung von 2200 Megawatt. Ab dem Jahr 2010 wird der Doppelblock etwa zehn Millionen Menschen mit Strom versorgen.

BoA, das steht für „Braunkohlenblock mit optimierter Anlagentechnik“. Optimiert bedeutet: Die Ingenieure haben an vielen Stellen des Kraftwerksprozesses Effizienzgewinne herausgearbeitet. Zum Beispiel durch High-Tech-Werkstoffe, durch computermodellierte Turbinenschaufeln, durch das Recycling von Restwärme und durch verringerten Eigenbedarf an Strom.

Auf diese Weise steigern sie den Wirkungsgrad um fast ein Drittel. Zum Vergleich: Beim Auto bedeutet das mehr Kilometer pro Liter Benzin. Im Kraftwerk heißt das: mehr Strom pro Tonne Braunkohle.

Das neue BoA-Kraftwerk wird pro Jahr bis zu sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) weniger ausstoßen als die Altanlagen, die durch die beiden modernen Blöcke F und G ersetzt werden. „Auch dies ist eine Folge des verbesserten Wirkungsgrads. Denn um eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen, wird künftig weniger Braunkohle verbrannt“, erklärt André Bauguitte, Sprecher von RWE Power in Essen.

Der Weg des Konzerns zur Kohlendioxid-Minderung bei der Stromerzeugung mit fossilen Energieträgern hat zwei Fahrspuren: „Auf der einen Seite neue Kraftwerke mit höheren Wirkungsgraden, was geringere Emissionen bedeutet und damit die Einsparung von CO2. Auf der anderen Seite die Abtrennung von Kohlendioxid und seine Speicherung. Auf beiden Seiten sind wir engagiert. BoA 2 und 3 in Neurath werden ein Meilenstein auf dem Weg des Klimaschutzes“, meint Bauguitte.

Doch nicht nur in Sachen Effizienzsteigerung setzt RWE Power mit dem BoA-Kraftwerk neue Maßstäbe. Bereits jetzt ist das Projekt ein Konjunkturmotor für Deutschland. In Spitzenzeiten werden täglich bis zu 4000 Menschen auf der Baustelle beschäftigt sein. Und die klotzen rein, was weit über die Grenzen Grevenbroichs hinaus zu sehen ist.

Die beiden Treppentürme etwa, die künftig das Kessel- und das MAschinenhaus des ersten Kraftwerksblocks miteinander verbinden, sind mit 180 Meter höher als der Kölner Dom. Rund 11 000 Kubikmeter Beton und 2200 Eisenträger wurden für ihren Bau benötigt, die Fläche des Sockels ist 2000 Quadratmeter groß - gigantische Ausmaße. Auch langfristig sichert der Energiekonzern pro BoA-Block rund 1000 Arbeitsplätze im Unternehmen sowie weitere 2000 in der Zulieferindustrie.

Für den deutschen Anlagenbau ist das neue Kraftwerk ein Referenzprojekt von internationaler Bedeutung: „Die BoA-Technologie könnte als Exportprodukt nicht nur zum Klimaschutz in anderen Ländern beitragen, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze im deutschen Kraftwerksbau sichern“, unterstreicht Bauguitte.

Schon jetzt ist die Stadt Grevenbroich mit den bestehenden RWE-Kraftwerken in Neurath und Frimmersdorf der größte Stromerzeugungs-Standort der Bundesrepublik und unterstreicht dies auch mit dem Slogan „Bundeshauptstadt der Energie“. Nach Fertigstellung wird der neue BoA-Doppelblock dem Kraftwerk Neurath angegliedert. Damit wird der Erfolgsstory rund um Grevenbroich und seiner Energie ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

Quelle: NGZ


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