Wer im Rhein-Kreis Neuss nicht in Gewerbe-Immobilien investiert, ist selbst schuld. Verkürzt ist das das Fazit einer am Dienstag auf der Internationalen Gewerbe-Immobilienmesse "Expo Real" veröffentlichten Studie.
München/Rhein-Kreis Marktforscher der Berliner BulwienGesa AG haben im Auftrag der Wirtschaftsförderung des Kreises nach einer Erstauflage in 2007 die acht Städte und Gemeinden an Rhein und Erft ein zweites Mal unter die Lupe genommen. Das Ergebnis liest sich wie die dringende Kaufempfehlung eines Analysten: BulwienGesa stuft den Rhein-Kreis als eine der "prosperierendsten Regionen in Nordrhein-Westfalen" ein. Ausgestattet mit einem vielfältigen Branchenmix in einem starken Mittelstand und einem im Vergleich zu anderen großen Wirtschaftsregionen wie Düsseldorf, Frankfurt oder Berlin großen Angebot an neuen Gewerbeflächen punktet der Rhein-Kreis bei den Immobilienexperten mit nur "mäßigen Schwankungen in den Mietniveaus".
Daraus ergibt sich ein Gesamturteil, von dem sich Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke und Kreis-Wirtschaftsdezernent Jürgen Steinmetz eine Werbewirkung bei potenziellen Investoren und Projektentwicklern versprechen: Die BulwienGesa AG stuft die Risiken bei Investitionen im Kreis im Vergleich zu ähnlichen Engagements in den großen Metropolen als "deutlich geringer" ein. Die Untersuchung der Marktforscher basiert auf selbst erhobenen Daten, aber auch auf Einschätzungen lokaler Makler, Grundstückseigentümer und Bauherren.
Einen der größten Standortvorteile sehen sie in der "sehr guten verkehrlichen Anbindung", die die Region vor allem für Logistikunternehmen interessant macht. Auch eine positive und stabile Bevölkerungsentwicklung mit einem hohen Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen und Wohnmöglichkeiten trägt zum positiven Urteil bei. Die wirtschaftlichen Perspektiven bis 2012 schätzt die BulwienGesa AG im Vergleich zu Städten wie Mönchengladbach, Krefeld, Leverkusen oder Düsseldorf als "überdurchschnittlich" ein. Niedrige Arbeitslosigkeit und eine hohe Arbeitsproduktivität (Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigem), die im Gegensatz zu den Konkurrenten in der Region bis 2013 mit einem Wachstum von 2,3 Prozent pro Jahr deutlich über dem Bundesdurchschnitt (1,7) liegt, machen den Rhein-Kreis für Marktforscher zu einem Top-Standort für Investoren.
"Der Rhein-Kreis Neuss ist ein solider Platz für Investitionen", bestätigte Norbert Bienen, Bienen & Partner Immobilien GmbH, Mönchengladbach. Ein Manko bleiben allerdings, so die Studie, vergleichsweise hohe Leerstandsquoten vor allem in Neuss (12,5 Prozent) und Meerbusch (neun Prozent). In den anderen Standorten des Kreises stehen zwei bis acht Prozent der Bürofläche leer. Der Rhein-Kreis Neuss hingegen habe die Chance, vom Nachfrageüberhang nach preiswerter Bürofläche aus Düsseldorf zu profitieren. "In der ersten Hälfte des Jahres ging gar nichts, seit ein paar Wochen springt die Nachfrage wieder an", sagte gestern in München BulwienGesa-Vorstand Andreas Schulten. Alexander Busch, Makler aus Neuss, sprach am Niederrhein-Stand auf der "Expo Real" mit Blick auf Neuss von einem "sehr guten, soliden Markt".
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