"Krisen schweißen zusammen und in der Krise lernt man seine Freunde kennen", dies ist eine positive Erfahrung von Kammerpräsident Professor Wolfgang Schulhoff nach fast einem Jahr an der Spitze der Handwerkskammer Düsseldorf. Angesichts der anhaltenden Diskussion um eine Reform der Handwerksordnung habe die Handwerksorganisation im Kammerbezirk Düsseldorf "wie ein Mann gekämpft".
Schulhoff erinnerte nochmals daran, dass man mit der Düsseldorfer Erklärung bereits im März ein wichtiges Signal gesetzt habe. Dank des Reformvorschlages "Wer kann, der darf. Aber er muss den Beweis dafür ablegen" habe das Handwerk Reformbereitschaft bewiesen und sei damit endlich wieder aus der Passivität herausgekommen. Schulhoff dankte deshalb Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Vollversammlung für die kraftvolle Unterstützung dieses Vorstoßes: "In der Frage der Handwerksreform stehen wir alle wie ein Block zusammen. Das ist beispiellos!"
Auch für den weiteren Verlauf der Reformdiskussion forderte der Kammerpräsident Einigkeit. "Wir brauchen auch in den kommenden Wochen ein gutes Zusammenspiel aller Gliederungen der Handwerksorganisation, damit wir am Ende doch noch zu einer Handwerksordnung kommen, mit der dann auch das Handwerk leben kann." Ganz besonders stellte der Kammerpräsident das nach wie vor beispielhafte Ausbildungsengagement des Handwerks heraus. "Die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe ist auch in konjunkturell schwierigen Zeiten ungebrochen", so Schulhoff.
Rund 7.000 Schulabgänger hätten im Kammerbezirk eine Lehrstelle im Handwerk gefunden; gerade einmal 3,4 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. "Eine sensationelle Leistung", sagt Schulhoff, zumal all das ohne eine Ausbildungsplatzabgabe gelungen sei. Was für den Kammerpräsidenten allerdings keine Überraschung ist, denn das Handwerk wisse eben um seine Verantwortung für die junge Generation. Die Ausbildung des Nachwuchses gehöre einfach zur gewachsenen Qualitäts- und Qualifikationskultur des Wirtschaftszweiges dazu.
Schulhoff: "Heuchlerisch empfinde ich deshalb die Krokodilstränen derjenigen, die einerseits fehlende Ausbildungsplätze beklagen, andererseits aber bewährte Qualitätsstrukturen des Handwerks zerschlagen wollen." Jedem selbst ernannten Reformer müsse klar sein: Wird der Meisterbrief gekippt, dann wird auch weniger ausgebildet. Daran wird auch eine Ausbildungsplatzabgabe nichts ändern. Schulhoff hält eine derartige Zwangsabgabe sogar für kontraproduktiv und schloss sich damit voll und ganz der Bewertung von Landeswirtschaftsminister Harald Schartau an, eine derartige Abgabe bedeute "die Verstaatlichung der beruflichen Bildung in Deutschland".
Neue Ausbildungsplätze werde die Zwangsabgabe nicht bringen. Arbeit schaffe dieses "bürokratische Monster" nur in den Verwaltungen, während auf die Wirtschaft weiteren Bürokratiekosten in Milliardenhöhe zukommen werden. Dabei brauche das Handwerk mehr als dringend einen radikalen Bürokratieabbau, der die Betriebe entlaste und ihnen wieder größeren Freiraum für ihr unternehmerisches Handeln gebe.
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