Von Frank Kirschstein Während Regierungsfraktionen und Opposition in Berlin noch um die Hartzreformen streiten, scheinen die Unternehmen am Mittleren Niederrhein sich ihre Meinung bereits gebildet zu haben: "Die meisten haben nicht vor, die Hartz-Instrumente zu nutzen", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Porschen. Dies sei das Ergebnis einer Sonderumfrage der Kammer zum Thema Arbeitsmarkt.
Damit und durch das "Aufweichen" der Hartz-Vorschläge sei das im Sommer 2002 verkündete Ziel der Bundesregierung, die Zahl der Arbeitslosen zu halbieren, in weite Ferne gerückt. Der Ansatz, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammen zu legen, so Porschen, sei grundsätzlich ein positiv gewesen. Wenn jetzt jedoch die Zumutbarkeit von Arbeitsplätzen eingeschränkt werde und Langzeitarbeitslose nur zu ortsüblichen Tarifen zu beschäftigen seien, sei dies eine "ökonomisch fehlgeleitete" Entwicklung.
"Gerade niedrige Löhne in der Einstiegsphase sind es, die Langzeitarbeitslosen für die Unternehmen attraktiv machen und den Betroffenen eine Chance geben", sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Von den Hartz-Instrumenten noch am meisten gefragt seien die Mini-Jobs, die 19 Prozent der jetzt befragten Firmen nutzen wollten. Nur elf Prozent wollen Mitarbeiter auf der Basis der etwas höher bezahlten Midi-Jobs beschäftigen, 13 Prozent der Befragten interessierten sich für Leiharbeitnehmer der neuen vom Arbeitsamt gegründeten Personalserviceagenturen (PSA).
Auch an deren Arbeit dürften sich, so Porschen, nicht zu viele Hoffnungen knüpfen, denn die Vermittlungserfolge der PSA gingen zu Lasten der privaten Vermittlungsagenturen auf dem freien Markt. Generell, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, halte sich die Zufriedenheit der Unternehmen mit der Vermittlungstätigkeit der Arbeitsämter in Grenzen: "50 Prozent der Befragten beurteilen sie als zufriedenstellend, 34 Prozent als schlecht, neun Prozent als sehr schlecht und nur sieben Prozent als gut."
Das derzeitige Bemühen von Politik und Arbeitsämtern, die Vermittlungstätigkeit zu verbessern, sei "dringend geboten". Bislang würden bei der Vermittlung die Bedürfnisse der Arbeitgeber zu wenig berücksichtigt, sagt Porschen und nimmt gleichzeitig die Arbeitsämter in der Region ein Stück weit in Schutz: "Dort wird sehr intensiv daran gearbeitet, dieses Problem zu lösen."
Als Bremsklotz für den Erfolg der Hartz-Instrumente beim Abbau der Arbeitslosigkeit sieht der IHK-Hauptgeschäftsführer auch die hohe Komplexität der entsprechenden Vorschriften und Regelungen: "Das ist wie mit der Riester-Rente. Die meisten verstehen sie nicht und schließen deshalb auch keine Verträge ab."
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