Von Thilo Zimmermann
Deutschland braucht eine neue "Kultur der Selbständigkeit". Darin waren sich Mittwoch Abend die Redner in der Neusser Stadthalle einig, in die der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) geladen hatte. Fast 1.300 Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen waren zu diesem "Tag der Wirtschaft" gekommen. "Tag der Wirtschaft" in der Neusser Stadthalle: von links Mittelstandspräsident Mario Ohoven, Landeswirtschaftsminister Harald Schartau und FDP-Bundesvize Andreas Pinkwart. NGZ-Foto: A. Woitschützke -->
BVMW-Präsident Mario Ohoven, ein gebürtiger Neusser, NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau sowie FDP-Bundesvize Andreas Pinkwart betonten die Bedeutung des Mittelstands für den Weg aus der konjunkturellen Talsohle. Minister Schartau nannte die Hoffnung auf eine Kultur der Selbständigkeit "eine der herausragendsten Visionen in unserem Land". Oder anders ausgedrückt: "Der Gang in die Selbständigkeit muss eine normale Alternative zum abhängigen Beschäftigungsverhältnis werden."
Ein besonderes Augenmerk legte der Sozialdemokrat auf flexible Regelungen, etwa bei der Arbeitszeit. "Wir brauchen kein Hüh und kein Hott von Kurzarbeit und Mehrarbeit, sondern pragmatische Lösungen, die die Unternehmen in die Lage versetzen, flexibel auf die Anforderungen der Märkte reagieren zu können", sagte Schartau. Er bekräftigte seinen Willen zum Abbau überflüssiger Bürokratie und verdeutlichte dies am Modellprojekt "Mittelstandsfreundliche Verwaltung", an der sich auch der Rhein-Kreis Neuss eifrig beteiligt, wie Landrat Dieter Patt in einem Grußwort deutlich machte.
"Die zentrale Frage ist es, ob jemandem, der die Unterstützung einer Behörde benötigt, der rote Teppich ausgerollt wird oder nicht", so der Wirtschaftsminister. Er appellierte im Hinblick auf die "Agenda 2010" der Bundesregierung an die Verantwortung eines jeden Politikers, über Parteigrenzen hinweg zu denken, "um Veränderungen herbei zu führen, die eine neue wirtschaftliche Dynamik entfachen".
Mut und nicht Populismus seien da gefragt. Mit den Entscheidungen über Reformen auf Renten- und Arbeitsmarkt beschäftigte sich sich auch Andreas Pinkwart. "Mit der ,Agenda 2010' ist es nicht getan, so notwendig sie auch ist. Der höchste Schuldenstand seit Bestehen der Republik zeugt von den Schmerzen versäumter Reformen, und wir werden alles tun, damit der Mittelstand nicht die Zeche dafür bezahlen muss", so der Liberale.
"Weniger Ideologie und mehr Pragmatismus ist nötig, um die Tür zu mehr Beschäftigung zu öffnen", hieß es. Der Appell des Professors der Betriebswirtschaftslehre fiel unmissverständlich aus: "Wir dürfen nicht alles in Grau und Schwarz malen, sondern müssen in der Krise die Chancen erblicken und die Wege freiräumen."
In die gleiche Kerbe schlug Mario Ohoven. Seine Forderung war ebenso deutlich: "Wir brauchen eine konsequente Reformpolitik und keine Echternacher Springprozession. Lasst die Unternehmer einfach mal machen, denn sie sind es, die für Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung sorgen."
Zuvor hatte Ohoven seine Sympathie für die "Agenda 2010" bekundet, "denn wir wollen, dass die Regierung regiert und nicht um den heißen Brei herumläuft". Eine Podiumsdiskussion schloss den Kreis des Wirtschaftstages ebenso wie eine Spendenaktion zu Gunsten von Grundschulen, lateinamerikanische Jazzmusik, ein rheinisches Buffet sowie ein Vortrag des Marketing-Experten Edgar K. Geffroy.
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