Neuss Wer entscheidet was? Oder anders ausgedrückt: Wer sitzt am längeren Hebel, der Investor, die Stadt oder die Politik? Fragen, die Bochumer Geographiestudenten im Zusammenhang mit der in Neuss unter dem Motto „Galopp sucht mehr“ forcierten Rennbahn-Entwicklung (die NGZ berichtete) interessieren.
Eine Gruppe aus der Ruhrgebietsstadt besuchte gestern mit Dr. Jens Oliver Pommeranz, Lehrbeauftragter an der Uni Bochum, das Rennbahngelände. Anschließend trafen sie im Rathaus auf Frank Wolters von der Neusser Wirtschaftsförderung und Klaus Offner als Vertreter des Projektentwicklers HBM Stadien- und Sportstättenbau sowie Tobias Bünemann, RKW Architektur und Städtebau, um das Thema zu diskutieren.
Vermarktungsfähigkeit ist eines der Schlüsselworte, ohne die heute kein Projekt mehr geplant wird. „Private Projektentwickler haben heute eine stärkere Definitionsmacht als noch vor zehn, zwanzig Jahren“, beschreibt es Pommeranz. Mit Blick auf die Rennbahn, wo neben einer neuen Halle Stadtvillen, ein Hotel und der Bereich „Wohnen im Dorf“ realisiert werden sollen, heißt das: „Wenn die Stadt dort Sozialwohnungen fordern würde, hätte sie ein Problem.“
Die gestalterische Freiheit der Kommune ist damit ganz klar beschnitten. Pommeranz sieht dies indessen als exemplarisch für eine ganze Reihe anderer Städte. Was nicht negativ sein muss, im Gegenteil. Er spricht von „stärkerer Dynamik“.
Insgesamt stößt das Neusser Rennbahn-Projekt auf Zustimmung: „Es ist ein innovatives Verfahren.“ Lobend wird in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung am Hafenbecken I verwiesen (zum Beispiel Haus am Pegel), da eine städtebauliche Verknüpfung unabdingbar sei.
Was Pommeranz und seine Studenten nach Möglichkeit in die neue Rennbahn integriert sehen wollen, sind Zeugen der typischen 50er-Jahre-Architektur wie Tribüne und Wetthäuschen, die mittlerweile recht morbiden Charme verströmen - und eben deshalb Gefahr laufen, als „Bruchbuden“ abgerissen zu werden.
Für die Besucher aus Bochum sind es diese Baulichkeiten, die dem Ort Identität geben. Positiv beurteilen sie deshalb die Idee des Wohnens im Dorf, sprich in Nähe der Reitställe. „Das passt zum Gelände und ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ Denn auch darauf kommt es an, um am Markt attraktiv zu sein.
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