Eigentlich müssten die Sorgenfalten im Gesicht von Landrat Dieter Patt angesichts der neuen Arbeitsmarktzahlen tiefer sein. Patt konnte am Dienstag aber bei einer Pressekonferenz - entgegen dem Bundes- und Landestrend - eine positive Bilanz ziehen. Das Projekt "Prospect" verspricht nämlich eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Die Speditions- und Logistik-Branche hat eine Hochburg an Rhein und Erft. Der Kreis befragte sie nach dem Personalbedarf.
Sie soll durch die genaue Erkundung des Personalbedarfs der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss erreicht werden. "Die Unternehmen im Rhein-Kreis investieren im Bereich der Ermittlung solcher Daten kaum. Dadurch entsteht eine Lücke, die wir als moderner Dienstleister mit unserer Wirtschaftsförderung schließen", erklärte Patt. Durch die Erhebungen hofft der Landrat, "bedarfsgerechte Maßnahmen" ergreifen zu können.
Konkret wollen die Verantwortlichen im Rhein-Kreis die Ergebnisse nutzen, um Arbeitskräfte speziell auf den Bedarf der Unternehmen hin zu schulen und vorzubereiten. Die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung des Rhein-Kreises Neuss befragten zuerst 200 Betriebe der Logistik- und Transportbranche. "Im Bezirk Mönchengladbach / Neuss sind in diesem Bereich 32.953 Mitarbeiter beschäftigt. Das sind 5,7 Prozent aller Beschäftigten", begründete Kreis-Wirtschaftsförderer Jürgen Steinmetz die Untersuchung des Wirtschaftszweigs.
Insgesamt seien 2.516 Betriebe niedergelassen, die auf diesem Sektor operierten. Damit ist die Region eine Hochburg der Speditionsbranche. Bald sind auch Erhebungen im Bereich "Ernährung und Gesundheit" geplant. Laut Patt wird neben den äußerst günstigen Standortfaktoren wie die gute Anbindung an das Autobahn-Netz und die Erreichbarkeit jeder Gemeinde per Schiene auch das "human capital", der Ausbildungsstand der Menschen, zunehmend wichtig. "Durch die Befragung erwachsen dem Rhein-Kreis Vorteile", so der Landrat.
Die Aktion brachte den Mitarbeitern der Wirtschaftsförderung aber nicht nur Erkenntnisse über den Bedarf der Firmen an Arbeitskräften ein. Viele gaben an, auch Praktikumsstellen schaffen zu wollen. "Die Tatsache, dass einige Schüler nichts über Berufe der freien Wirtschaft wissen, und nun die Möglichkeit entsteht, einen Blick in die Betriebe zu werfen, hat uns dazu bewogen, demnächst eine Praktikumsbörse einzurichten. Im Internet können sich die Interessenten dann über die Möglichkeit informieren, in den Betrieben der Region Praktika zu leisten", freut sich Steinmetz über die Erweiterung des Service-Angebots.
Generell scheint dem Rhein-Kreis Neuss auf dem Sektor "Ausbildung" ohnehin eine Vorreiterrolle zuzukommen, wie Wolfgang Müller von der Bundesagentur für Arbeit bescheinigt: "Entgegen dem Landestrend konnte im Rhein-Kreis Neuss ein Zuwachs im Lehrstellenangebot von drei Prozent verzeichnet werden. Das ist zwar kein Ergebnis, das und die Hände in den Schoß legen lässt, aber es ist sehr positiv." uli
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