Rhein-Kreis Neuss Schmelztiegel, Kulturmetropole, Megacity, für New York gibt es viele Namen - für Landrat Dieter Patt zählt vor allem einer: „Schreibtisch der Welt“.
Steubenparade
Die deutsch-amerikanische Steubenparade wird seit 1957 in New York City als ein Festzug auf der 5th Avenue gefeiert. Bis zu einer Million Menschen bejubeln Motivwagen und Gruppen.
Der Name geht zurück auf General von Steuben, der 1777 aus Preußen kam, um mit General George Washington für die amerikanische Unabhängigkeit zu kämpfen
Vom 13. bis 17. September will der Rhein-Kreis Neuss diesen Schreibtisch nutzen, um neue Wirtschaftskontakte zu knüpfen: Auf dem Programm stehen neben einem Treffen mit New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg zahlreiche Treffen, bei denen amerikanische und deutsche Unternehmer ins Gespräch kommen sollen.
Mit dabei sein werden Repräsentanten deutscher Firmen in den USA, aber auch Wirtschaftsvertreter, die sich mit dem Rhein-Kreis sowie Vertretern der Landesregierung und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung NRW auf den Weg über den „großen Teich“ machen.
„Wir konnten viele großartige Partner für die Reise finden“, berichtet der Landrat. Besonders wertvoll sei die Unterstützung durch den Generaldirektor von 3M-Deutschland, Kurt Henning Wiethoff. „Wir können zeigen, dass ein Welt-Unternehmen aus den USA im Rhein-Kreis Erfolg hat“, sagt Patt. Doch 3M ist nicht die einzige „Eintrittskarte“ für aussichtsreiche Gespräche in „Big Apple“.
Die West LB, die Ergo-Versicherungsgruppe, der Flughafen Düsseldorf, die Airline LTU und die Provinzial Rheinland sind ebenfalls mit im Boot.
„Manches deutsche Unternehmen hat bereits heute mehr Kontakte in den USA, als allgemein vermutet wird“, so der Landrat. Die Provinzial zum Beispiel sei als Investor für Stadtentwicklung und Verkehr in New York eine bekannte Größe.
Patt will die Gelegenheit nutzen, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten generell zu intensivieren. Ein Beispiel: Kontakte nach New Mexico. Patt hat mit Gouverneur Bill Richardson bereits Gespräche geführt.
Die Themen: Austausch in Wissenschaft und Forschung, vor allem im Sektor Energie. Das Forschungszentrum Los Alamos, die große Produktionsstätte des Chip-Herstellers Intel und die Universität in Albuquerque sind Institutionen, die Patt mit Hochschulen in der Region und der Wirtschaft im Rhein-Kreis vernetzen möchte. Erste Kontakte gibt es dazu zum Beispiel mit der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und der Fachhochschule für Oekonomie und Management (FOM) in Neuss.
„Die Landesregierung hat die Idee der New York-Reise begeistert aufgegriffen“, berichtet Kreiswirtschaftsförderer Jürgen Steinmetz. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Wirtschaftsministerin Christa Thoben könnten zwar aus terminlichen Gründen nicht mitfliegen, dafür sei Staatssekretär Dr, Jens Baganz aus dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie mit dabei.
Die Reise passe offenbar gut zur Strategie des Ministerpräsidenten, die Kontakte zwischen NRW und den USA zu verstärken, um bestehende Wirtschaftskontakte zu intensivieren und neue Unternehmen in NRW anzusiedeln. Der Rhein-Kreis empfiehlt sich dafür nicht nur mit dem Verweis auf positive Wirtschaftsdaten und die Standortgunst im Westen Europas, sondern auch mit viel Kultur: In New York wird über das Projekt „RaumOrtLabor Hombroich“ gesprochen und - Kontrastprogramm - über eine Kooperation des Karnevals in der US-Metropole und im Rheinland.
Das passt, denn so schließt sich der Kreis und es wird deutlich, was der Auslöser der Reise war: 2003 hatte Landrat Dieter Patt - damals in seinem Urlaub als Musiker mit der Mundart-Band „De Räuber“ in den USA auf Tournee - im Deutschen Haus in New York Kontakte zu den Organisatoren der alljährlichen Steubenparade geknüpft.
Der rheinische Funke sprang über, eine Einladung folgte, die jetzt, nach drei Jahren, Patt und „De Räuber“ erneut nach New York führt. Die Band um Sänger Karl-Heinz Brand aus Holzheim wird am 16. September nicht nur auf einem Wagen der LTU in der Parade mitziehen, sondern kann sich anschließend noch einen Musiker-Traum erfüllen: ein Konzert im Central Park.
„Der Zeitpunkt der Steubenparade ist bewusst gewählt, nicht wegen des Events, sondern weil wegen der deutschen Wurzeln der Veranstaltung in New York die Aufmerksamkeit für Deutschland besonders hoch ist“, sagt Steinmetz.
„De Räuber“ im Dienst der Wirtschaft also - allerdings sicher nicht ausschließlich: Schon den Hobby-Musiker Dieter Patt juckt es beim Gedanken ans Konzert im Central Park bereits in den (Gitarren-)Fingern.
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