Von Frank Kirschstein Direkt aus dem Studium hinein in die Selbständigkeit? Ein Risiko, aber machbar, sagt Panagiotis Dimitriadis, Leiter der Initiative zur regionalen Unternehmensgründung der Hochschule Niederrhein, kurz "run". Ziel der Aktion ist es, Gründungsinteressierte auf dem Weg zum eigenen Unternehmen mit Beratung, Coaching und Qualifizierung zu unterstützen. Im Internet informiert "run", eine Initiative der Hochschule Niederrhein, Studenten über Möglichkeiten, sich selbständig zu machen.
Panagiotis Dimitriadis hat die Bereitschaft von Studenten, sich selbständig zu machen, wissenschaftlich untersucht - und das nicht nur einmal, sondern 1999 und im Wintersemester 2003. Vor fünf Jahren wurden repräsentativ 660, im vergangene Jahr 2.200 Studenten der Hochschule Niederrhein befragt. Das Interesse der Studenten, sich selbstständig zu machen, ist, so die Auswertung beider Umfragen, gewachsen und zwar von 64,7 Prozent 1999 auf 77,5 Prozent 2003.
Aber etwas hat sich geändert: Waren 1999 20,7 Prozent bereits entschlossen sich selbständig zu machen, waren es in 2003 nur noch 15,5 Prozent. Dafür hat die Anzahl derer, die diese Perspektive sehen, aber noch unentschlossen sind, um fast 20 Prozent deutlich zugenommen (1999: 44 Prozent - 2003: 62 Prozent). Die Zahl derer, die die Möglichkeit der Selbständigkeit zum Zeitpunkt der Befragung verneinen, ist von 35,2 Prozent in 1999 auf 22,5 Prozent in 2003 gesunken. Die Zahl der Nein-Sager ist dabei relativ gleichmäßig auf alle Altersgruppen verteilt.
Dagegen gehört die größte Gruppe der Ja-Sager zu der Gruppe der älteren Studenten bis Ende 30. Das Motiv "sein eigener Chef zu sein" und sich "selbst zu verwirklichen" steht mit über 60 Prozent weit vor dem Motiv eines höheren Verdienstes, das 2003 von elf Prozent genannt wurde.
Der Vergleich der Umfragergebnisse 2003 und 1999 als Spiegel einer momentanen Selbsteinschätzung der Studenten lassen - vor dem Hintergrund der Erfahrungen der run-Initiative an der Hochschule Niederrhein seit 2001 - aus der Sicht von Dimitriadis folgende Interpretation zu:
- Auch bei den Studenten wirkt eine veränderte Öffentlichkeit zur Thematik Unternehmertum und Existenzgründung. - Das Thema Existenzgründung/Unternehmertum ist - positiv wie negativ - wesentlich präsenter in den Medien.
- Die Arbeitsmarktlage ist auch für Akademiker nicht immer rosig, weshalb die Alternative der Selbständigkeit grundsätzlich mehr in Erwägung gezogen wird.
- Es herrscht mehr Realismus als früher zur Boomzeit 1999 und es gibt mehr Klarheit darüber, was für eine Gründung wichtig ist.
Letzteres lässt sich auch an der Zahl der "Schnellstarter" ablesen: 1999 wollten sich 26 Prozent im Studium oder direkt im Anschluss daran selbständig machen, 2003 dagegen nur 13 Prozent, wobei hier ein geringer Teil bereits einer selbständigen Tätigkeit nach geht. Viele, so Dimitriadis, denken offenbar daran, erst einmal eine Berufspraxis zu erwerben.
Wenn Existenzgründung, dann einige Jahr nach Studienabschluss. Davon sprechen in 2003 49,8 Prozent der Gründungsinteressierten. 1999 dachten dagegen nur 18 Prozent so. Für den weitaus größten Teil der Befragten - nämlich 56,3 Prozent - war der Zeitpunkt, wann es losgehen soll, noch völlig offen.
Dies, so Panagiotis Dimitriadis, spreche für eine realistischere und gezieltere Planung der Studenten. Sie bräuchten also in der Tat individuelle Unterstützung: "run" sei das geeignete Instrument, um diese Aufgabe zu übernehmen.
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