Zum 1. Januar hat RWE Rhein-Ruhr eine Strompreiserhöhung für Haushaltskunden beantragt. Wie hoch genau sie ausfallen soll, wollte Wilfried Hartung, Leiter Vertrieb der - auch für den Rhein-Kreis zuständigen - RWE Rhein-Ruhr-Niederlassung in Düren, am Mittwoch bei einem Jahresbilanzgespräch in Neuss noch nicht verraten.
Nach Medienberichten geht es um rund sechs Prozent. Hartung warb um Verständnis für die Tarifpolitik seines Konzerns: „Wir können die öffentliche Besorgnis angesichts steigender Strompreise nachvollziehen. Gleichzeitig muss aber auch klar gesagt werden, dass die anstehenden Preisanpassungen nicht willkürlich erfolgen.“ Eine Tariferhöhung sei ausschließlich in der Entwicklung am Großhandelsmarkt sowie in „politisch motivierten Sonderlasten“, vor allem durch das „Erneuerbare Energien Gesetz“, begründet.
Zurzeit sehe RWE Rhein-Ruhr nur „sehr wenige fundamentale Faktoren“, die das dauerhafte Absinken des Strompreises rechtfertigen würden: Steigende Primär-Energiepreise, Kosten, verursacht durch den Emissionshandel, unsichere politische Rahmenbedingungen, steigende Nachfrage, erhöhte Anforderungen an Kraftwerke und Leitungsnetze sowie hohe Ersatzinvestitionen für Altanlagen führt RWE Rhein-Ruhr an, um steigende Strompreise zu rechtfertigen.
„Abzocker-Vorwürfe“ hält Hartung für ungerechtfertigt, ein Glaubwürdigkeitsproblem seiner Branche räumt er allerdings ein. Dieses jedoch beruhe zu einem guten Teil auf Informationsdefiziten: Wenn von Transparenz die Rede sei, dürfe zum Beispiel nicht vergessen werden, dass rund 40 Prozent der Stromkosten durch Steuern und Abgaben vom Staat abgeschöpft würden.
Auch bei der Gasversorgung - in Neuss ist RWE Rhein-Ruhr in diesem Bereich allerdings nicht aktiv - seien weitere Preiserhöhungen nicht ausgeschlossen, wenn sich der Trend steigender Bezugskosten für Gas fortsetze. Angesichts eines verschärften Wettbewerbs, aber auch um das Profil des eigenen Unternehmens in der Region zu schärfen, setzt RWE Rhein-Ruhr auf eine neue Werbe- und Image-Kampagne: „Näher ist besser“ heißt der Slogan, mit dem das Unternehmen den engen Kontakt zum Kunden, aber auch sein Engagement für das Geschäftsgebiet betonen möchte.
„Näher ist besser“ „Unsere Mitarbeiter sind in der Region beheimatet, wir sichern Arbeitsplätze in der Region und wir leisten unseren Beitrag zum sozialen und kulturellen Leben der Region“, sagt Hartung. Nähe zu den Kunden, dazu zählt, so Dr. Stefan Küppers, Leiter des Regionalzentrums Neuss, auch, dass das Unternehmen seine Strategie, auf Call-Center zu setzen, korrigiert: In Neuss - im Meererhof in Kooperation mit den Stadtwerken - und Mettmann wurden bereits wieder Kundencenter eröffnet. Zielvorgabe sind 18 solcher Einrichtungen im gesamten Rhein-Ruhr-Gebiet.
Dort sollen vor allem Haushaltskunden wieder die Möglichkeit haben, sich vor Ort beraten zu lassen. Info Das RWE-Regionalzentrum Neuss beschäftigt rund 150 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in der Stadt Neuss. Von dort aus werden 20 Städte und Gemeinden betreut, ein Gebiet von rund 950 Quadratkilometern Ausdehnung, einer Leitungslänge im Netz von etwa 11 000 Kilometern sowie über 162 000 Strom-Hausanschlüssen, die rund 710 000 Menschen mit Energie versorgen. (ki)
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